Wo ist eigentlich Herr Landt?
Wie oft wurde ich in der letzten Zeit gefragt: „Wo ist eigentlich Herr Landt”. Er gehörte seit 17 Jahren zum Ortsbild in Cadenberge dazu. Mit seinem Fahrrad (nein, er hatte zwei Fahrräder - das zweite für den Notfall), das ihn durch den ganzen Kirchenkreis führte, winkend, fröhlich zurufend. Und natürlich mit Buddy, dem Bobtale von Menkes, den er viele Jahre ausgeführt hat (Nur böse Zungen fragen: „Wer hat wen ausgeführt?”).
Er gehörte einfach dazu: Morgens die Tasse Kaffee in der Bäckerei, anschließend ein Besuch im Kirchenbüro mit den neuesten Informationen, dann ein Gang zur Post, vielleicht auch noch der Kirchenbote oder der Gemeindebrief in den Straßen verteilt. Hans-Friedrich Landt gehörte dazu. Und das war nicht selbstverständlich. Über 30 Jahre war er obdachlos - ein „Bruder der Landstraße”. Den gebürtigen Kieler hatte der Tod seiner Mutter aus der Bahn geworfen. Und der Alkohol hatte ihn kaputt gemacht.
Hilfe bekam er oft an den Türen der Pfarrhäuser. Er kannte fast alle Pastoren zwischen Kiel und Hannover. Dass er sich in Cadenberge „festgemacht” hat, hat er zwei Menschen zu verdanken: dem damaligen Leiter des Sozialamtes, Toni Fuchs, und Fritz Brand, damals Pastor und Superintendent in Cadenberge. Auch wenn Hans-Friedrich Landt - damals noch mit der Flasche in der Hand - auf „die von der Kirche” schimpfte, hat er später in einem Interview mit der Niederelbe-Zeitung doch deutlich gesagt: „Ohne die Kirche wäre ich untergegangen”.
Hans-Friedrich Landt war für uns immer ein positives Beispiel dafür, dass es möglich ist, mit der Hilfe vieler Menschen, die es gut meinen, von der Straße zu kommen und - bei allen Schwierigkeiten - ein normales Leben zu führen. Ich denke, es waren gute Jahre, die Hans-Friedrich Landt in Cadenberge verleben durfte. Im Sommer ist sein langjähriger Freund Buddy verstorben. Bald danach brach eine schwere Krankheit auch bei Herrn Landt wieder auf. Seine Wohnung musste er aufgeben und kam ins Pflegeheim. Im Krankenhaus in Stade ist er am 12. November verstorben. Kurz zuvor waren noch viele seiner Cadenberger Freunde von der Kirchengemeinde bei ihm. Er, der Bruder der Landstraße, hat nun seine letzte, seine ewige Wohnstätte bei Gott gefunden.
Bert Hitzegrad
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