22 Jahre und ein Monat Dienst in Cadenberge - Nachruf auf Werner Jantzen

Im Oktober haben wir die Nachricht erhalten, dass Superintendent in Ruhe Werner Jantzen verstorben ist. Im hohen und gesegneten Alter von 97 Jahren ist er in Köln bei seiner Frau und der Familie seiner Tochter verstorben. Im Oktober 2006 hatten Marianne und Werner Jantzen dort noch ihre Eiserne Hochzeit feiern können - im Gemeindebrief im Sommer 2007 hatten wir daran erinnert. Viele Menschen in Cadenberge und darüber hinaus haben den hochgewachsenen und oftmals strengen Pastoren und Superintendenten des Kirchenkreises „An der Oste” noch vor Auge.


Werner Jantzen ist ein Kind dieser Region. In Kehdingbruch steht noch heute sein Elternhaus - das ehemalige Pfarrhaus direkt neben der Kirche. Dort war seine Vater Pastor Gustav Jantzen viele Jahrzehnte tätig. Und dort ist Werner Jantzen auch mit der plattdeutschen Sprache groß geworden. Später hat er deshalb die plattdeutschen Gottesdienst zum Kirchweihfest des Bugenhagenhauses (an dessen Verwirklichung er auch einen großen Anteil hatte) eingeführt. Bis heute - so denn ein plattdeutscher Prediger zur Verfügung steht - erfreuen sich diese Gottesdienste großer Beliebtheit.
Vor seiner Zeit in Cadenberge war Werner Jantzen sieben Jahre in Bargstedt tätig. Am 2. Mai 1954 trat er die Nachfolge von Superintendent Konrad Müller an.

Fast genau 22 Jahre war es als Superintendent und Pastor hier tätig. Eine kaum übersehbar Zahl an Konfirmanden hat er in diese Zeit eingesegnet, Ehepaare getaut, Menschen in Trauerfällen begleitet und als Seelsorger ihnen beigestanden. Viele Menschen haben bei ihm die ersten selbständigen Schritte im Glauben gelernt, z.B. als Mitarbeiter beim Kindergottesdienst, der damals noch nach dem Hauptgottesdienst stattfand und vom Pastoren selbst geleitet wurde. Und: Käthe Lambrecht (heute Brand, früher Schulze) holte er 1963 ins Kirchenbüro, wofür sie ihm bis heute von Herzen dankbar ist.

Doch nicht nur in den Erinnerungen vieler Menschen ist der ehemalige Seelsorge noch präsent. Sondern auch in in der zweibändigen handschriftlichen Chronik, die er während seiner Amtszeit über die Kirchengemeinde Cadenberge angelegt hat. Wenn andere Menschen sich abends entspannten, ging Werner Jantzen seinem Hobby nach und forschte in der Vergangenheit und schrieb seine Erkenntnisse auf. Wer sich über die Entwicklung der Kirchengemeinde Cadenberge und über die Amtszeit von Werner Jantzen informieren will, der findet hier reichlichen und interessanten Lesestoff. Manches kommt einem dann bekannt vor: Dass das Geld knapp ist, die Bibelstunden nicht mehr so recht besucht werden und dass auch die Zahlen der Gottesdienstbesucher sinken ... Dabei lag dem ehemaligen Superintendent, wie er schreibt, viel daran, „die Gemeinde zum Gottesdienst zu rufen und die Gottesdienstbesucher zu geldlichen Opfern für die Sache Jesu Christi zu bewegen.” Deshalb richtete er 1954 einen „Opfersonntag der Inneren Mission" ein. Auch seine Frau war sehr aktiv in der Gemeinde und führte 1955 den Gottesdienst zum Weltgebets am ersten Freitag im März ein und auch die Partnerschaften zu den Gemeinden in der damaligen DDR erlebte unter ihrer Begleitung eine besondere Blüte.

Auch als Ehepaar Jantzen schon längt in Köln lebten und weit vom Elbe-Weser-Dreieck entfernt waren, hielten sie noch viel Kontakt und pflegten einen regen Briefwechsel mit Menschen, die ihnen verbunden sind und waren. Auch zu einigen silbernen Konfirmationen war der Sup.i.R. gern wieder nach Cadenberge gekommen, um seine ehemaligen Konfirmanden noch einmal zu begleiten.
Am 1. Juni 1976 trat Superintendent Werner Jantzen seinen Ruhestand an. Er schreibt dazu in seiner Chronik: „22 Jahre und 1 Monat sind eine lange Dienstzeit in Cadenberge und im Kirchenkreis, und doch ist die Zeit schnell vergangen ...” Wir danken unserem Gott für das Leben und Wirken von Werner Jantzen. Über seiner Todesanzeige heißt es: „Der gnädige Gott hat meinen geliebten Mann, unseren lieben Vater und Großvater in seine Ewigkeit aufgenommen!” Dieses Vertrauen wünschen wir seiner Frau und seiner Familie und sind mit ihnen in dieser Hoffnung und im dankbaren Blick zurück ganz eng verbunden!

Bert Hitzegrad