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Auf dieser Seite stellen wir Menschen aus unserer Kirchengemeinde vor, die sich in den Dienst unserer kirchlichen Gemeinschaft stellen. Für den einen ist es ein Anfang, für den anderen Besinnung auf ein Jubiläum, für den dritten ist es vielleicht ein Abschied ..........
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Nachruf Manfred Horch |
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Lutheraner mit sozialpolitischer Stimme
Stades Landessuperintendent Manfred Horch ist im Alter von 61 Jahren gestorben von Dieter Sell (Ev. Pressedienst)
Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann reagierte bestürzt und mit tiefer Trauer auf die Nachricht: Am Dienstag, dem 27. Oktober starb nach schwerer Krankheit Landessuperintendent Manfred Horch, der acht Jahre geistlicher Kopf des Sprengels Stade war. "Das ist ein großer Verlust für unsere Landeskirche", reagierte Käßmann, die in dem leitenden Theologen einen engagierten Prediger mit gewinnender Persönlichkeit sah. Horch war aber auch ein sozialethisch denkender Theologe, dem Themen wie Bildung und Familie besonders wichtig waren.
Seine berufliche Laufbahn begann Horch als Zahntechniker. Später war er der erste Landessuperintendent der hannoverschen Landeskirche, der über den zweiten Bildungsweg in das Amt kam. Der frühe Kontakt zur Arbeitswelt blieb ihm wichtig. So setzte er sich bei Diskussionen und Besuchen in Einrichtungen und Betrieben unter dem Motto "Vorfahrt Familie" insbesondere für die Belange von Kindern und Eltern ein. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern warb vehement für den freien Sonntag und plädierte aus eigener Anschauung für eine "Familienteilzeit", damit berufstätige Eltern mehr Zeit für ihre Kinder haben.
Horch übernahm im November 2001 das Amt des Regionalbischofs im Sprengel Stade, zu dem im Elbe-Weser-Raum etwa 200 Gemeinden mit rund 590.000 Mitgliedern zählen. Zuvor war er mehr als zehn Jahre Superintendent des Kirchenkreises Norden in Ostfriesland. Er wurde in Bredstedt bei Husum geboren und wuchs in der Nähe von Freiburg im Breisgau auf. Nach der zahntechnischen Ausbildung und einiger Zeit in diesem Beruf studierte Horch an der Theologischen Akademie Hermannsburg/Celle. Der damalige Stader Landessuperintendent Martin Kruse ordinierte ihn 1976 in Fredenbeck, wo Horch bis 1985 Gemeindepastor war. Bis 1990 war er Studentenpfarrer in Hannover und ging dann nach Norden.
Lange bevor die Finanzkrise die Weltwirtschaft erschütterte, setzte sich der fromme Lutheraner vor Arbeitgebern und Arbeitnehmern für eine sozial geerdete Marktwirtschaft ein, die Regeln und Grenzen braucht. "Luther erklärt es so", kommentierte er Anfang 2008 kurz nach seinem 60. Geburtstag die Firmenpolitik des Handyherstellers Nokia, der seinen Standort in Bochum dicht machen wollte: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseres Nächstes Geld oder Gut nicht nehmen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten."
Nokia war für ihn auch aus theologischer Sicht das Paradebeispiel für Gier und menschliche Ignoranz, ein Konzern, der einen Standort schließt, weil der Profit nicht hoch genug ist.
Eine Bildungsoffensive für benachteiligte Kinder, das evangelische Bildungszentrum in Bad Bederkesa und die gemeindenahe Sozialarbeit waren weitere wichtige Themen seiner Amtszeit. Beharrlich stellte er sich gegen rechtsextremistische Umtriebe wie etwa gegen das geplante Neonazi-Schulungszentrum des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Jürgen Rieger bei Verden. Die Bibel sah er als wichtiges Fundament für sein Engagement und seinen Glauben. Es war für ihn "ein Lebensbuch, das Mut und Orientierung vermittelt".
Noch kurz vor seiner Erkrankung und einer Krebsoperation im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf wollte Horch mit einer Veranstaltungsreihe den gesellschaftlichen Umgang mit Sterben und Tod thematisieren. Dazu kam es nicht mehr, weil er sein Amt ruhen lassen musste, auch wenn er auf eine Rückkehr hoffte. Klar war für ihn: "Wir müssen Tod und Sterben als Teil des Lebens annehmen." Horch wurde getragen von der Überzeugung, dass der Glaube der Angst vor dem Tod etwas entgegensetzt, "nämlich die christliche Hoffnung auf Verwandlung in ein neues Leben".
Herr Horch wurde am 1. November nacher einem Trauergottesdienst in der Stader St.Wilhadi Kirche im Kreise seiner Familie beigesetzt.
Auch wir in den Kirchengemeinden Cadenberge-Wingst und Kehdingbruch erinnern uns noch gern an den gemeindenahen Landessuperintendenten. Im Oktober/November 2006 war er bei uns zur Visitation und war für viele ein interessanter Gesprächspartner. In Kehdingbruch hat er einen landwirtschaftlichen Betreib besucht und betonte im Sonntagsgottesdienst die Bedeutung auch der kleinen Gemeinden. Er freute sich, dass auch Kinder mit im Gottesdienst waren. Und er betonte, wie wichtig dieses Miteinander ist – „Kinder müssen sehen, dass auch ihre Eltern sich unter eine größere Instanz stellen, sie müssen sehen, dass auch ihre Eltern beten!“ Als der Landessuperintendent Kehdingbruch verlassen wollte, hatte er sich fest gefahren. Die Kehdingbrucher Kirchenvorsteher schoben seinen Wagen wieder auf die Straße.
Das Landessuperintendent Horch wieder auf einen guten Weg kommt, das hatten viele in den letzten Jahren gehofft und dafür gebetet. Er hat es nicht geschafft. Aber er darf nun Gottes Weg folgen – in seine Ewigkeit.
Bert Hitzegrad
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