Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Nun ist der neue Glockenturm auf dem Friedhof Geestberg fertiggestellt. Zu Ostern wurde er eingeweiht. Seitdem ist er weithin sichtbar und vor allem auch gut hörbar: Der Glockenklang wird vom Geestberg weit getragen.
Beim Glockenguss nur wenige Tage vor Ostern konnte ich zusammen mit einigen Mitgliedern des Friedhofsausschusses dabei sein. Und es war fast so wie bei Friedrich von Schillers „Lied von der Glocke“:

„Festgemauert in der Erden
steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden!
Frisch, Gesellen, seid zur Hand!
Von der Stirne heiß
rinnen muss der Schweiß,
soll das Werk den Meister loben,
doch der Segen kommt von oben.“

Der Glockenguss, der sich da in der Glockengießerei der Firma Rincker in Sinn ereignete, war für mich ein „ein österliches Ereignis“: Die Bronze ging durch Höllenhitze (über 1100 Grad!), verharrte in Todesstarre und wurde dann am dritten Tag nach dem Guß vom Glockenmeister zum Leben erweckt. Und so wie Christus durch Tod und Hölle gegangen ist, um den Weg in die Ewigkeit zu öffnen, so hören wir nun den Ton der Glocke auf dem Geestberg als einen Klang der Ewigkeit in dieser Zeit.



Und damit kommen sogar Himmelfahrt und Pfingsten mit ins (Glocken-)Spiel. Denn erst dadurch, dass die Glocke mit dem Turm an den „Himmel gehängt“ wurde, ist ihr Klang weithin zu hören. Die Botschaft von der Ewigkeit in dieser Zeit, bleibt nicht verborgen, sondern wird in diese Welt hineingerufen - so wie der alte Glockenspruch aus Jeremia es sagt: „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort.“ (Jer 22,29). Denn das genau meint Pfingsten: Das Wort von der Auferstehung, das Wort von der grenzenlosen Liebe Gottes, das Wort von seiner spürbaren Nähe bleibt nicht verborgen.

Die ersten Jünger sind damals nicht vor Angst in den Häusern geblieben, sondern sind auf die Straßen und Plätzen gegangen, um das Wort des Herrn zu verkündigen. Der Heilige Geist hatte ihnen die Kraft gegeben, wie Glocken die Botschaft weithin zu tragen - und die Menschen wurden bewegt von den klaren Tönen ihrer Predigt und wie bei einer Glocke klangen die Worte noch lange nach.

Ostern-Himmelfahrt-Pfingsten - alles in einer Glocke, die von nun an Menschen vor allem in schweren Situationen begleitet. Und dabei ruft sie mit ihrer Inschrift uns allen immer wieder die Botschaft des Auferstandenen zu: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ Ich hoffe und wünsche, dass diese Worte und das Vertrauen darauf auch in uns lange nachklingen.

Ihr Bert Hitzegrad