Gedanken zur Jahreslosung 2008

Manchmal kommt uns die Zukunft vor wie eine undruchdringbare Wand. Gerade der Blick in ein neues Jahr wirft viele Fragen auf. Was wird kommen? Wie werden die neuen 366 (!) Tage sein, die den Namen „2008” tragen? Wünsche werden in der Silvesternacht ausgetauscht - „vor allem Gesundheit”, sagt man oder „dass es wieder ein erfolgreiches Jahr wird ...” Doch wir wissen genau: Wir haben das alles nicht in der Hand. Wir können nicht auf die Kalenderblätter des neuen Jahres schauen. Da ist eine Wand vor jedem Tag. Wie es sein wird, wissen wir erst, wenn wir die neuen Tage betreten haben. Und was das bedeutet, haben wir in der Vergangenheit erlebt: Freude und Trauer, Glück und Katastrophen, Anfänge und Abschiede - so zeigte sich auch das vergehende Jahr.

Was hilft uns, den Blick trotzdem zuversichtlich auf die Zukunft zu richten?
In einem afrikanischen Sprichwort wird gesagt: „Glauben heißt: durch den Horizont blicken!” Genau diesen Blick des Glaubens sehe ich auf dem Photo, das die Jahreslosung 2008 illustriert: Das Kreuz durchbricht die Mauer. Dahinter wird eine kleine Pflanze sichtbar. Forsythien blühen als Boten des aufbrechenden Frühjahrs, als Zeichen, dass das Leben immer wieder neu aufbricht. Der Glaube sieht mehr als die tote Wand und die Fragen, die dagegen prallen. Mit der Jahreslosung für das Neue Jahr schenkt uns Jesus Christus seine Antwort und seinen hoffnungsvollen Blick auf ein ganzes Jahr, auf die Zeit, die vor uns liegt - von nun an bis in Ewigkeit: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!” (Joh 14,19). Diese österliche Hoffnung hat der Auferstandene seinen Jüngern zugerufen. Sie gilt allen, die es wagen, den Blick des Glaubens einzunehmen - Glaube, der Horizonte öffnet, der Felsen sprengt und die Wand unserer Fragen durchlässig macht für ein Leben unter Gottes Segen.

„Ich lebe und ihr sollt auch leben!” Das sagt Jesus Christus denen, die mit ihm in ihrem Leben unterwegs sind. Er stellt uns auf die Seite des Lebens. Wir können es sehen, auch wenn es manchmal nur so klein ist, wie die zarte Blüte im Frühjahr. Dieser Blick macht Mut für den Weg in die Zukunft, er gibt aber auch Kraft, sich für das Leben einzusetzen - wo es verletzt, bedroht und mit Füßen getreten wird. Was im Neuen Jahr auf uns zukommt, haben wir nicht in der Hand. Aber wir gehen an der Hand dessen, der uns das Leben schenkt. Und wir können anderen die Hände reichen, um sie mitzunehmen auf diesem Weg.

Bert Hitzegrad