Liebe Leserinnen, liebe Leser,
am ersten Samstag im Februar hatte ich einen Tag mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Thema „Taufe“. Ich hatte mir vorgenommen, sehr anfassbar und verständlich anzufangen – nämlich mit Wasser. Ich brachte eine mit Wasser gefüllte Wanne mit, und wir probierten gemeinsam aus, wie es sich anfühlt, wenn man sich darin die Hände wäscht, was mit einem Stein passiert, den wir hinein fallen lassen, was mit einem Boot passiert, in den ein Stein geworfen (es geht unter) oder vorsichtig gelegt wird (es schwimmt), und was eine gelbe Quietscheente bei Sturm erlebt.
Und weil ich noch Mineralwasser kaufen musste, war ich vor diesem ganzem Geplansche noch im Supermarkt und sah in der Obst- und Gemüseabteilung jede Menge noch nicht aufgeblühte Osterglocken – und ich konnte nicht anders und musste sie mitnehmen und baute sie auch in meine Wasserexperimente ein.
Natürlich blühten die Osterglocken nicht sofort auf, aber ich behauptete, dass sie das vielleicht bis zum auf diesen Samstag folgenden Montag schon täten – oder wenigstens in der Konfirmandenstunde am darauf folgenden Montag.
Und was ist jetzt, da ich Ihnen dies alles schreibe? Ich habe am Montag nach diesem Samstag vergessen, auf die Osterglocken zu sehen, und am vergangenen Montag waren so viele andere Dinge zu bedenken, dass ich auch da nicht an die Osterglocken gedacht habe. Und jetzt befürchte ich, dass sie am kommenden Montag schon wieder verblüht sein könnten ...
Ich habe mich also dabei ertappt, mein eigenes Programm wegen der vielen anderen zu bedenkenden Dinge aus den Augen verloren zu haben.
Das hat eine scheußliche und eine gute Seite. Die scheußliche Seite ist, dass ich immer wieder feststelle, dass ich mir für die wirklich wichtigen Dinge zu wenig Zeit nehme und darüber wuschig werde.
Die gute Seite ist, dass die Osterglocken in einem Klassenraum aufgeblüht sind und sich mindestens zwanzig andere Menschen über sie gefreut haben werden.
Die Passionszeit und Ostern haben auch diese beiden Seiten. Scheußlich ist, dass wir in den sieben Wochen vor Ostern immer wieder darauf gestoßen werden, zu welchen Blödigkeiten und welchem Wahnsinn Menschen fähig sind: Einander auszustechen, alles zu neiden und notfalls ans Kreuz zu nageln. Gut ist, dass uns diese sieben Wochen Zeit schenken können, darüber nachzudenken, was wir wirklich wichtig finden – und dass darüber die Osterglocken aufgeblüht sein werden.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest und aufgeblühte Osterglocken die Menge – ob nun in Ihrem Blick oder in dem der Familie oder dem der Nachbarschaft.
Ihr Pastor Peter Handrich
|
 |
 |