Lieber Leserinnen, liebe Leser!

„Gott will bei Euch wohnen, Ihr seid nicht zu klein!” so heißt es in einem Kinderlied. „Gott will bei Euch wohnen, bei Euch sein. Gott will bei Euch wohnen, wenn Ihr weint und lacht. Gott will bei Euch wohnen Tag und Nacht!” Der Liederdichter, Fritz Baltruweit, hat dabei sicherlich nicht an Weihnachten und eine Krippe im Wohnzimmer gedacht. Aber ich finde, die Worte des Liedes treffen ganz genau das, was Krippendarstellungen zu Weihnachten wollen: Sie zeigen, dass Gott bei uns wohnen will. Wenn in der Adventszeit oder kurz vor Weihnachten der Stall ins Wohnzimmer kommt und Ochs und Esel, Maria und Joseph und schließlich auch das Kind in der Krippe seinen Platz findet, dann nimmt Gott doch seine Wohnung bei uns. Er kommt mitten hinein in unser Leben - ins Lachen und ins Weinen. Nichts anderes will die Weihnachtsgeschichte sagen. Deshalb hören wir sie so gern. Weil Gott thront nicht in fernen Palästen, sondern in dem einfachen Stall verbreitet er sein Licht Und deshalb holen wir diesen Stall in unsere Wohnzimmer, um von diesem Licht, das weitaus heller ist als die elektrischen Kerzen am Weihnachtsbaum, etwas abzubekommen.

„Gott will bei Euch wohnen, bei Euch sein!”

In der Weihnachtsgeschichte bei Lukas heißt es: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!” (Lk 2,11f)

Diese Worte des Engel haben Menschen überall auf der Welt beflügelt, die Szene nachzuempfinden und die Weihnachtsgeschichte ganz ohne Worte nachzuerzählen. Und so unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich haben sie auch ihre Krippen gestaltet. Natürlich sehen die Hirten auf dem Feld in Thailand ganz anders aus als in Nordamerika. Und in Peru kommen Lamas und Schildkröten zum Stall, in der Lüneburger Heide sind es Heidschnucken, die von einem Schäferhund bewacht werden. Das Jesuskind der Makondeschnitzer in Afrika ist schwarz. Und in China hat Christus eine gelbliche Hautfarbe und natürlich mandelförmige Augen. Genauso unterschiedlich wie die Darstellungen sind auch die Materialien. Von Holz über Stoff, Glas, Ton, Pappe oder Papier bis hin zu Maisstroh ist alles zu finden. Kein Wunder: Gott kommt in unsere Welt hinein, wird Mensch und Freund und Bruder. Er kommt in unser Leben - und dieses Leben ist von dem bestimmt, womit wir täglich umgehen. Was unser Leben ausmacht, das ist gerade für die Krippe richtig.

In der Adventszeit wird Elisabeth Scheffler aus Fuhrberg (meine Schwiegermutter!) ihre Krippen in der St.Nicolai-Kirche in Cadenberge ausstellen. Aus aller Welt hat sie die Darstellungen der Geburt Jesu gesammelt. So viele hat sie inzwischen, dass sie befürchtet, unsere große Kirche wird sie kaum fassen. Doch ihr geht es nicht um die Menge, nicht um die großen Zahlen, sondern darum, dass jede einzelne Krippe die Weihnachtsbotschaft verkündet und dass jeder Künstler seine besondere „Freude über Weihnachten” in der Krippendarstellung zum Ausdruck bringt. „Freude über Weihnachten” so heißt deshalb diese Ausstellung auch, mit der die Krippensammlerin uns ein Fenster öffnen möchte für den „Himmel auf Erden”.

„Gott will bei Euch wohnen!” Stellen Sie auch wieder eine Krippe zu Weihnachten auf? Vielleicht ein altes Erbstück, vom Großvater selbst geschnitzt. Oder den Stall in Kindertagen aus Eisstielen zusammengeklebt? Wie auch immer Ihre Krippe aussieht - lauschen Sie ihrer Predigt und entdecken Sie die Weihnachtsbotschaft neu, dass Gott in diese Welt kommt - nicht nur nach Bethlehem, sondern auch zu Ihnen. Und dort will er wohnen und Ihnen nahe sein, im Weinen und im Lachen des Lebens.

Ihr Pastor Bert Hitzegrad.



Letzte Änderung am Samstag, 28. April 2012 um 16:07:36 Uhr.