An(ge-)dacht

Himmelfahrt oder Vatertag?

Viele freuen sich schon darauf - die einen, weil sie mit Freunden („Vätern”) mal eine richtige Tour machen. Die anderen, weil sie mit Freuden einen schönen Gottesdienst unter freiem Himmel feiern. Die einen feiern „Vatertag”, die anderen „Himmelfahrt”. Und manchmal treffen sie sich auch im Wingster Wald. Die einen singen „So ein Tag, so wunderschön wie heute ...” Und die anderen haben die Melodie des Posaunenchores auf den Lippen „Gen Himmel aufgefahren ist, Halleluja ...” Und das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Oder doch?

Ich glaube doch! Denn wir suchen alle „den Himmel” - und einen „richtig guten Vater” wünschen wir uns auch. Wir suchen alle „den Himmel”, wir suchen alle Gott. Und wir alle wissen, nicht erst seit der ersten bemannten Rakete im Weltall: Dort oben am Himmel ist er nicht zu finden. Für manche ist er „unbekannt verzogen”, nicht mehr aufzufinden. Also suchen sie ein Stückchen des Himmels, ein kleines Paradies in der Bierlaune am Vatertag ... Nur dieser Himmel trübt sich bald ein, ein anderer bleibt.

Als Jesus in den Himmel auffuhr und seine Freunde ihm noch nachblickten, da waren da plötzlich zwei Engel, zwei himmlische Wesen auf der Erde, und die fragten: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?” Mit anderen Worten: „Jetzt ist eine andere Blickrichtung dran. Um den Himmel zu finden musst ihr nicht nach oben starren. Gott ist nicht in den entfernten Galaxien. Er nicht unbekannt verzogen und für Euch außerhalb jeder Reichweite ... Er ist bei Euch!”

Jesus Christus ist „aufgefahren in den Himmel” - und das meint schlicht und einfach: Er ist im Herrschaftsbereich Gottes. Er hat den Weg zu Gott gezeigt. Und damit ist ein Stück des Himmels auf die Erde gekommen. Gottes Nähe ist nicht nur unter dem blauen Himmel der glücklichen Tage zu spüren, sondern auch im grauen Alltag, auch dann, wenn der Himmel verdeckt ist. Auch dann, wenn die Glückseligkeit vom „Vatertag” in starke Kopfschmerzen übergegangen ist.

Wir haben mit Jesus Christus ein Stück dieses Himmels in unseren Herzen. Und damit ist für uns auch der Weg zu Gott, zu unserem himmlischen Vater offen. Denn wir alle suchen doch einen „richtigen, einen guten Vater”. Also ist - so gesehen - „Christi Himmelfahrt” doch „Vatertag”. Nur ein wenig anders als manche ihn verstehen ...

Aber vielleicht hilft da ja auch ein Wechsel der Blickrichtung: Glück und Seligkeit haben einen tieferen Grund als den Grund des Bierglases. Und vielleicht wäre der „Vatertag” ja auch eine gute Gelegenheit für die Kinder ein „richtig guter Vater” zu sein. Etwas gemeinsam unternehmen. Vormittags in den Gottesdienst unter freiem Himmel und dann eine gemeinsame Fahrradtour durch die Wingst. Und wenn dann die Kleinen sagen: „Das war himmlisch!”, dann war es „Himmelfahrt” und „Vatertag” in einem.

Bert Hitzegrad