Freude über Ostern

„Dafür würde ich alles geben“, sagen Menschen, wenn sie deutlich machen wollen, dass ihnen eine bestimmte Sache sehr wichtig ist. „Das esse ich für mein Leben gern“, sagen manche, um auszudrücken, wie gern sie etwas mögen. Aber, ein einzelnes Essen für mein Leben? Denn das heißt es ja. Wie leichtsinnig, wenn das mal jemand ernst nehmen würde. „Ich habe alles gegeben“, sagt der Sportler nach dem Wettkampf, wenn er am Ende der Kräfte im Zielraum steht und ihm die Mikrofone vor den hechelnden Mund gehalten werden. Vielleicht stimmt dieser Satz noch am ehesten, denn ein Sportler, der sich und seinen Sport ernst nimmt, versucht wirklich all das zu geben und in diesen einen Lauf, hinein zu legen, was irgendwie möglich ist, um zu gewinnen.

Aber was hat das mit Ostern im Jahr 2007 zu tun?

Wir Menschen übertreiben manchmal, wenn wir nach Worten für eine bestimmte Sache suchen [siehe „für mein Leben gern“], meinen das dann gar nicht ganz so ernst und würden wahrscheinlich gar nicht immer gern beim Wort genommen werden. Gott macht es genau anders und lässt sich beim Wort nehmen: Er hat wirklich alles gegeben, was er geben konnte, er hat das gegeben, was ihm am Herzen lag, nämlich seinen eigenen Sohn. Er hat ihn gegeben für uns, seine Menschen.

Er hat ihn in die Hände der Menschen damals gegeben und das heißt, dass er seinen Weg mit uns, seinen Weg der abgrundtiefen Liebe zu uns Menschen, bis zum bitteren Ende gegangen ist. Das, was Jesus in die Welt gebracht hat, die Art wie er von Gott geredet hat, wie er selbst Gott nahe war, wie Menschen in seiner Nähe Gott selbst erfahren haben und wie sich Leben verändert hat, weil durch Jesus heil werden konnte, was vorher kaputt war, das alles hörte eben nicht kurz vor dem Ende auf.

Nein, Jesus ist diesen Weg von Gott zu uns Menschen bis zum Ende mit allen Konsequenzen gegangen. Und wenn Menschen zu viel Liebe und zu viel Nähe Gottes nicht aushalten, dann müssen sie den beseitigen, der davon geredet hat, dann schlagen sie ihn ans Kreuz. Das ist der Weg des Leidens Jesu, den wir in den Evangelien lesen und den wir jedes Jahr neu in der Zeit vor Ostern, in der Passionszeit, ein Stück weit wieder mit gehen. Gott hat es ganz ernst gemeint, hat sich beim Wort nehmen lassen und hat alles gegeben. Selbst im Tod ist Gott noch da und teilt unser Leben! Haben wir das wirklich begriffen? Man braucht vielleicht etwas länger dazu. Und darum gehen wir seit dem 21. Februar wieder durch diese Passionszeit, und sehen etwas von der abgrundtiefen Liebe Gottes.

Gott hat am Kreuz Wort gehalten. Aber hätten wir heute noch wirklich etwas davon? Ich bin da nicht sicher..

Aber wir gehen ja auf Ostern zu, auf dieses größte Fest der Christen und Christinnen. Das ist vielmehr als ein gutes Fernsehprogramm für vier Tage, als Hefezopf und neue Absatzmöglichkeiten für die Schokoladenindustrie.

Ostern – Da feiern wir, das Gott Jesus nicht bei den Toten gelassen hat, dass er ihn auferweckt hat, dass Gott ein dickes Zeichen gegen den Tod gesetzt hat. Und auch hier meint er es ernst und lässt sich beim Wort nehmen, dass er nämlich Leben schenken will, Leben, das über den Tod hinaus reicht. Das ist der Kern unseres Glaubens, daran entscheidet sich alles, weil die Hoffnung für Leben und Sterben davon abhängt. Und wenn uns die verloren geht, dann sind wir nicht vielmehr als ein Sozialclub mit einer langen Tradition, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

„Das mit der Auferstehung kann man ja nicht mehr glauben“, sagte mir neulich jemand. „Doch“, sagte ich. Das ist das Zentrum unseres Glaubens. Und ohne die eigentlich unglaubliche Erfahrung neuen Lebens, ohne die Erfah-rung der Auferstehung Jesu hätten sich seine Jünger nicht auf die Socken gemacht, um Gemeinden zu gründen und ohne Rücksicht auf ihre persönliche Sicherheit und Be-quemlichkeit zum Vertrauen auf Gott und seinen Sohn einzuladen. ‚Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden’ werden wir in der Osternacht wieder singen. Ich freue mich darauf. Aber ich bin auch sehr berührt, wenn ernstzunehmende heute Menschen erzählen, dass sie dem auferstandenen Jesus begegnet sind. Das ist übrigens immer wieder passiert seit dem ersten Osterfest damals. Na, wenn das kein Grund zum feiern ist, ein Fest in bunten Farben, mit Ostereiern und guter Musik und das alles mitten im Frühling. Frohe und gesegnete Ostern!

wünscht Ihnen und Euch

Pastor Jens Monsees