Himmelfahrt oder Vatertag?

Mit diesen Worten sagt manch einer, dass er die Nase voll hat und endlich eine Pause braucht. Einfach nur mal weg, alles hinter sich lassen, abhauen und die Füße hochlegen. Nein, nicht einfach nur weg, sondern weit weg, am besten auf eine einsame Insel eben, wo niemand anderes ist, wo keiner stört, wo kein Telefon klingelt oder niemand etwas von einem will.

Reif für solch eine Insel fühlen wir uns zu verschiedenen Zeiten, oft auch im Frühsommer, bevor der Urlaub losgeht und denken dann an einsame Strande und warmen Sand, an leise rauschende Wellen und traumhafte Sonnenuntergänge, an Palmen und Kokosnüsse. Eine Kulisse, wo der normale Alltag mit allen Problemen und Sorgen unendlich weit weg zu sein scheint. Das alles wollen wir ja gerade hinter uns lassen und eine Zeit lang mal nicht darüber nachdenken.

Aber geht das eigentlich wirklich? Oder nehmen wir nicht vielmehr vieles von dem, was im Alltag Mühe macht, auch mit auf die Insel? Sicher nicht alles. Aber nicht zufällig brechen gerade im Urlaub, in der Auszeit, in manchen Beziehungen und Familien die Konflikte erst so richtig auf, weil ja nun Zeit dafür ist und weil sie sich nicht einfach am Ticketschalter auf dem Flughafen oder am Bahnhof abgeben lassen.

Und noch etwas: Wollen wir das eigentlich wirklich, alles ablegen, was unser Leben normalerweise schön und gut macht? Den Alltag, mit allem, was dazu gehört, die vielen kleinen Begegnungen und Gespräche, die kleinen und großen Erfolge im Beruf und in der Familie? Und überhaupt: Den Großteil unseres Lebens leben wir außerhalb des Urlaubs und zurück kommen die meisten auch irgendwann.

Und trotzdem: Für eine kleine Zeit aussteigen und die Uhren anders gehen lassen können, das ist verlockend und schön, das bietet Möglichkeiten, die wir im normalen Alltag manchmal nicht haben. Wenn wir tatsächlich auf einer einsamen Insel sein würden, dann hätten wir die Chance, einmal ungestört über uns nachzudenken und zu überlegen, wie alles so läuft und ob es richtig ist. Dazu kommen wir ja oft nicht. Aber das kann auch unbequem sein, weil wir dann unseren Fragen und Problemen nicht mehr ausweichen können, wenn wir da auf der einsamen Insel sitzen. Wir müssen uns stellen. Und das wäre gut so! Also los, ab auf die Insel!

Reif für die Insel - Da fällt mir aber noch etwas anderes ein, ein Psalmwort nämlich: Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

So sagt einer im 139. Psalm in der Bibel und macht deutlich, dass wir vor Gott als Grund und Ursache unsres Lebens nicht wirklich weg laufen können, dass wir aber selbst am Ende der Welt, auf einer einsamen Insel, für die wir uns reif fühlen und auf der wir so
richtig ins Nachdenken kommen, nicht aus der Hand Gottes fallen, weil er auch da ist, und nicht nur an den für uns sonst so gewohnten Orten. Wir können hin gehen, wo wir wollen, Gott wird auch dort für uns da und ansprechbar sein, auf alles, was wir so im Gepäck haben! Auch auf der einsamen Insel, für die wir reif sind. Das finde ich tröstlich und Mut machend, nicht nur, wenn ich tatsächlich eine große Reise vorhabe, nein, gerade auch im Alltag.

Bilder von schönen und vielleicht auch einsamen Inseln erinnern mich an diese Erfahrung, die ein Mensch mit Gott gemacht und im Psalm 139 aufgeschrieben hat. Nehmen wir dieses Wort doch einfach mit auf die "Insel", auf der wir in diesem Sommer die Füße hochlegen, egal ob es die Malediven sind oder Sylt, ob es nach Fehmarn geht oder der eigene Balkon die Insel ist. Gott will uns in seinen Händen halten - an diesem oder einem anderen Ende der Welt.

Schöne Inselzeiten wünscht Ihnen und Euch,

Ihr und Euer Jens Monsees