Die drei Versprechen

oder: Warum wir Weihnachten feiern
Fast jedes Jahr können wir kurz vor Weihnachten in der Zeitung etwas über die Ergebnisse einer Weihnachtsumfrage lesen. Unter anderem wird gefragt: Warum feiern wir Weihnachten? Kinder in Deutschland antworten dann, z.B.: Weil Winter ist oder weil der Weihnachtsmann kommt oder, auch schön, weil Oma zu Besuch kommt. Wir mögen darüber schmunzeln oder uns über die große Unkenntnis wundern. Aber vielleicht verlieren auch wir, die wir Weihnachten bewusst feiern und an Heiligabend in die Kirche gehen, manchmal aus dem Blick, was wir da wirklich feiern können und welche Bedeutung dass für unser ganzes Leben hat. Eine kleine Geschichte, die ich sehr schätze, erzählt davon etwas. Es geht um einen kleinen Jungen, der über Weihnachten seinen Opa, einen Holzschnitzer, besucht. Er sieht dort die geschnitzten Krippenfiguren und als er sie eine Zeit lang betrachtet, werden die Figuren plötzlich lebendig, und er ist selbst mitten in der Weihnachtsgeschichte drin. Er läuft mit den Hirten nach Bethlehem und will Jesus in der Krippe sehen. Gehen wir ein Stück mit ihm:

Als der Junge in den Stall kam, da lächelte Jesus ihn freundlich an. Plötzlich wurde der kleine Junge ganz traurig und weinte. Das Jesuskind fragte ihn: „Warum weinst du denn?“ Und er antwortete: „Weil ich dir doch nichts mitgebracht habe wie alle anderen hier.“ Das Jesuskind sah ihn weiter an und sagte ganz ruhig: „Ja, ich möchte tatsächlich etwas von dir haben!“
Der Junge wurde ganz rot im Gesicht und sagte schnell.
„Du kannst von mir alles haben, was du willst, wirklich alles!“ Aber das Jesuskind sagte: „Alles brauch ich nicht. Nur drei Dinge möchte ich von dir haben!“ Und da plapperte der Junge auch schon los: „Meine neue Jacke kannst du haben oder meine elektrische Eisenbahn – oder das neue Buch mit den vielen Bildern...“ Er musste Luft holen. Aber das Jesuskind schüttelte den Kopf und sagte: „Nein, das alles haben wir auch im Himmel. Ich möchte etwas von dir geschenkt bekommen, was es im Himmel nicht gibt.“
Da kriegte der Junge plötzlich wieder Angst, weil er sich nicht vorstellen konnte, was es im Himmel nicht schon gab. Und als er noch überlegte, sagte Jesus: „Das erste, was ich von dir haben möchte, ist deine letzte Mathearbeit.“ Da kriegte der Junge einen Schreck, und er flüsterte, so dass es die anderen nicht hören konnten: „Christkind, das geht nicht. Das war eine 6, ungenügend!“„Ja, genau“ sagte das Christkind. „Genau deshalb will ich diese Arbeit von dir haben.“ Und Jesus sagte zu ihm: „Ich wünsche mir, dass du mir immer das gibst, was bei dir ungenügend ist, was nicht gut geworden ist. Versprichst du mir das?“ Und der Junge versprach es.
„Nun kommt mein zweiter Wunsch“, sagte das Jesuskind, „ich hätte gerne deine Kakaotasse!“ Und wieder kriegte der Junge einen großen Schreck und sagte ganz verlegen: „Das geht nicht. Die ist mir heute Morgen runter gefallen.“ „Ja“, sagte das Christkind wieder. „Das ist das zweite: Du darfst mir immer wieder in deinem Leben das geben, was du kaputt gemacht hast, was zu Bruch gegangen ist. Versprichst du mir, mir das zu geben?“ „Ja“, sagte der Junge.
„Aber ich habe auch noch einen dritten Wunsch“, fing das Christkind noch einmal an. „Ich möchte auch die Angst haben, die du neulich hattest, als du allein in deinem Zimmer warst und nicht einschlafen konntest!“


Da fing der Junge wieder an zu weinen. Denn er dachte nicht gern daran zurück. Jesus sah ihn freundlich, lächelte und sagte: „Weißt du, du sollst und darfst mir immer wieder, dein ganzes Leben lang alles das bringen, was du nicht schaffst, was dir daneben geht und wo du Angst hast. Versprichst du mir, mir auch deine Angst zu geben?“ Das tröstete den Jungen und er nickte und sagte dann: „Ja, das will ich tun.“ Und dann freute er sich und wischte sich die Tränen aus den Augen, damit er das Jesuskind wieder richtig ansehen konnte. Aber, da lag es wieder reglos in seiner Krippe und auch die anderen Krippenfiguren waren kleine leblose Holzfiguren geworden. Und der Junge dachte, dass er aus einem Traum aufgewacht war.
Aber die drei Versprechen, die er dem Jesuskind gegeben hatte, die hat er nie mehr vergessen und sie haben ihm Mut gemacht!


Wir dürfen Weihnachten feiern! Nicht, weil Winter ist oder der Weihnachtsmann kommt, sondern weil Jesus in unsere Welt gekommen ist, damit wir ihm unser ganzes Leben lang geben können, was bei uns ungenügend ist, was uns zu Bruch geht und was uns Angst macht. Und das ist ein sehr guter Grund zum Feiern!

Ein gesegnete Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest wünscht

Ihr und Euer Jens Monsees