Lieber Leserinnen, liebe Leser!

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.[Galater 6, 2 – Wochenspruch für die Woche ab dem 9. Juli]

Am 9. Juli ist es soweit, dann wissen wir, ob Klinsi und seine Spieler geschafft haben, ob wir Weltmeister sind – oder ob wir Trauer tragen müssen (hoffentlich nicht schon vorher, in der Vorrunde etwa).
Ja, bald geht’s endlich los mit der WM in Deutschland. Am 9. Juni wird angepfiffen.. Die Einen nervt das jetzt schon und die Anderen können es kaum noch abwarten. Die einen halten es mit dem Schriftsteller Martin Walser, der gesagt hat: „Sinnloser als Fußball ist nur noch eins: Nachdenken über Fußball.“ Die anderen halten sich an Fußballweißheiten, wie etwa die folgende eines gewissen Adi Preißler: „Entscheidend iss auffem Platz!“ Na, wer kann da schon widersprechen?

Solche tiefgründigen Sätze werden wir in den nächsten Wochen und Monaten sicher noch häufiger zu hören kriegen, vielleicht diesen Satz eines Trainers, der die Funktionen unserer Körperteile neu beschreibt: „Der Kopf ist das dritte Bein.“ Aber mal im Ernst: Schon oft ist der Fußball mit Religion verglichen worden. Ein Vereinspräsident hat sogar einmal gesagt: „Im Ruhrgebiet ist Fußball Religion!“ ‚O ha’, denke ich da. Das geht mir denn doch zu weit, weil hier viel zu viel von einem Spiel und seinen Mitspielern erwartet wird. Denn Erlösung kommt woanders her!

Aber trotzdem stimmt es wahrscheinlich. Denn wer schon mal bei einem Spiel im Stadion war und das alles so auf sich wirken lässt, der merkt, dass hier manches wie Religion ist. Es gibt feste Abläufe und Liturgien, etwa wenn die Spieler das Feld betreten und ihre Namen ge-nannt werden. Es werden Gesänge angestimmt, die zehn- tausende mühelos mitsingen können, textsicher und völlig begeistert. In manchem Gottesdienst wünschte ich mir ein wenig davon. Es geht im Stadion um echte Gefühle, um Glückseligkeit, wenn die eigene Mannschaft das Tor macht, um tiefe Traurigkeit, wenn Niederlage oder sogar der Abstieg besiegelt sind. Und immer, am Anfang eines Spieles, ist da große Hoffnung, sogar gegen alle Vernunft, denn vielleicht schaffen es die Duisburger ja doch mal, die übermächtigen Bayern zu schlagen.

Und wie ist das mit der Mannschaft, egal ob Bundesliga oder C-Jugend bei uns? „Die Mannschaft ist der Star“, sagen Manche und machen damit deutlich, dass es nicht allein um den einzelnen Spieler geht, sondern darum, dass alle gut zusammen spielen, ja dass einer für den anderen spielt und läuft. Wenn einer den Ball verloren hat, dann versuchen es die Mitspieler. Wenn einer einen schlechten Tag hat, dann rennen die anderen für ihn. Die Mannschaft gewinnt und verliert zusammen. ‚Einer trägt des anderen Last.’ In guten Mannschaften ist das so. Und wenn ein Team das eingeübt hat und dann auch so spielt, dann sieht man das und dann sind plötzlich Dinge möglich, die kurz vorher unmöglich schienen. Dann passiert es manchmal. dass eine Mannschaft einen Lauf bekommt, wie man sagt.

In einer guten Mannschaft hat dann jeder seinen Platz, seinen Fähigkeiten entsprechend, aber es ist eben auch nötig, dass jede Position besetzt ist, dass jeder dann auch wirklich spielt, wo er gebraucht wird und wo er steht. Ich wage den Vergleich einfach mal: „Einer trage des anderen Last“, sagt uns Paulus in seinem Brief an die Galater, in dem Wochenspruch für die Woche nach dem Endspiel, „dann werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Wenn das für eine Gemeinde von Christen gilt, dann geht es offenbar darum, dass wir Teamspieler sind, dass es um die Mannschaft, um die Gemeinde eben geht, wo wir alle zusammen gewinnen und auch mal verlieren. Und das heißt, wo wir gemeinsam durch schwere Zeiten gehen und uns trösten und uns gemeinsam über Erfolge freuen. Und dann gilt, dass es dem Mitspieler nicht egal ist, wie es einem anderen geht. „Einer trage des anderen Last“ – ein gutes Motto für eine Fußballmannschaft und erst recht für eine Gemeinde, für die Mannschaft Gottes auf dem Spielfeld des Lebens.

Eine gesegnete kommende Zeit, mit oder trotz Fußball, wünscht Ihr und Euer Pastor

Jens Monsees