Lieber Leserinnen, liebe Leser!

Herzlich Willkommen!

Seit etwas mehr als vier Jahren zieren diese Worte die Tür zu unserer Wohnung. Jemand, der es gut mit mir meint, hat sie seinerzeit dort aufgehängt - für mich selbst. Seither steht es also an unserer Tür - als Zeichen für andere Menschen.

Aber, ist es auch immer wirklich so gemeint? Ist mir der „Drücker” willkommen, der mir die so- undsovielste Zeitschrift verkaufen will? Oder der nicht ganz nüchterne und im Umgang schwierige „Berber” von der Landstraße? Manchmal geht es wohl auch gar nicht um die Person; vielleicht ist es ja nur der falsche Tag, die falsche Zeit.

Vielleicht bin ich selbst ja nur nicht „gut drauf”, habe keine Zeit... Da bleibt dann die Tür eben zu oder wird ganz schnell wieder geschlossen, und der davor steht abgewiesen..
Ich merke jedenfalls: Nicht für jeden und nicht zu jeder Zeit gilt das „Herzlich willkommen” uneingeschränkt. Und ich denke, so wird es wohl auch Menschen mit mir selbst gehen, wenn ich vor der Tür stehe.

Im Monatsspruch für den Monat Juli aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 37 steht:

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen

Er- Christus - hat in seinem Leben und Sterben gezeigt, daß das wirklich so gemeint ist. Sein „Herzlich willkommen” gilt jedem Menschen - jede und jeder ist willkommen, ohne Unterschiede und zu jeder Zeit: Der Zöllner Zachäus, wie der Pharisäer, der Lieblingsjünger Johannes wie Petrus, der ihn verleugnet, der Verbrecher am Kreuz wie der römische Hauptmann darunter, der liebenswerte wie der unangenehme, der verspätete wie der rechtzeitige... Christus sagt dies im Auftrag und in der Vollmacht Gottes, des Vaters, der auf jede und jeden Menschen wartet wie der gute Vater in dem Gleichnis, das Jesus erzählt, auf den „verlorenen” Sohn wartet, ihn nicht abweist, ihm entgegengeht, ihn in die Arme schließt.

Freilich, etwas ist dem vorausgegangen: Der Sohn ist umgekehrt zum Vater, hat sich auf den Weg gemacht, ist zu ihm gekommen. Das darf ich auch tun; das kann ich tun in der Gewißheit, daß Jesus Christus mich nicht abweisen wird. Ob es mir dann auch leichter fällt, andere willkommen zu heißen?

Hilmar Menke