Adventszeit ist Kerzenzeit. Aber dass die Adventszeit eine strahlende, helle Zeit ist, verdankt sich nur zum Teil den Kerzen. Ein fast noch größeres Strahlen kommt aus dem Leuchten der Augen, wenn die Kinder merken: Bald ist Weihnachten! Für mich ist die Vorweihnachtszeit untrennbar verbunden mit Gerüchen, Farben und Tönen aus meiner Kindheit. Der Adventskranz, der geschmückt wurde. Gebastelte Fensterbilder, genaschte Weihnachtsplätzchen, Lieder im Kerzenschein. Und, ganz besonders, das Aufstellen der Krippe.
Sie hatte ihren festen Platz, und in jedem Jahr war eigentlich schon vorher festgelegt, wie die einzelnen Figuren zu stehen hatten (nämlich wie immer). Trotzdem hatte es einen ganz besonderen Reiz, diese Krippe aufzubauen. Wenn sie dann endlich aufgestellt war, setzte ich mich gelegentlich davor und betrachtete die geschnitzten Figuren. Vor mir stand Weihnachten – die Geschichte, die ich so oft schön gehört und in so manchem Krippenspiel auch gespielt hatte. In der Krippe im Wohnzimmer wurde diese Geschichte jedes Jahr neu lebendig, und das bekannte Weihnachtslied wurde mit geschnitztem Leben erfüllt: „Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh, Maria und Joseph betrachten es froh. Die redlichen Hirten knien betend davor, hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.“
Menschen hören nicht nur – sie wollen auch sehen. Eine Krippe macht das, was zu Weihnachten erzählt wird, anschaulich, in ganz vielfältiger Form. Sie ist mehr als eine schöne Dekoration: sie erzählt auf ihre Weise die Weihnachtsgeschichte neu, „zum Anfassen“. Sie lädt ein, einen Moment anzuhalten, stehen zu bleiben – nicht die Worte der Weihnachtsgeschichte verhallen zu lassen, sondern sich vom Anblick der Krippe fesseln zu lassen. Details zu entdecken, das bekannte Bild neu zu erleben. Krippen bringen ein Stück Weihnachtsgeschichte in die Wohnstuben.
In der Cadenberger Kirche zeigen wir in dieser Adventszeit handgeschnitzte Krippen aus Polen. Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch gern vorbei und lassen sich von ganz unterschiedlichen Darstellungen der Weihnachtsgeschichte verzaubern. Sie können einfach nur schauen – und falls Sie noch keine Krippe haben, können Sie auch eine kaufen. Der Erlös kommt den Schnitzern in Polen zu Gute – und eine Krippe in Ihrem Wohnzimmer bringt vielleicht Kinder (und Sie selbst?!) zum Staunen, Augen zum Glänzen und ein Stück Weihnachtsgeschichte zum Anfassen in Ihr Haus!
Wilko Hunger
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