Liebe Leserinnen, liebe Leser!
„Ich bin getauft!” - so soll Martin es sich immer wieder gesagt haben, wenn er nicht weiter wusste, wenn Depression oder Hoffnungslosigkeit ihn plagten. „Dass ich getauft bin, das kann mir keiner nehmen!” - dieses Wissen stärkte ihn, wenn er von Menschen bedrängt wurde oder wenn Glaubenszweifel ihn befielen. Haben Sie auch schon einmal an Ihre Taufe gedacht? Wissen Sie überhaupt, wann sie getauft wurden, welcher Pastor sie getauft hat und welchen Spruch sie damals bekamen.
Vor kurzem waren wir mit den Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher zu einer Klausurtagung zusammen - zu genau diesem Thema: „Taufe”. Und die Aufgabe bestand, sich vorher über die eigene Taufe zu informieren: Taufspruch, Paten, Datum, Fotos. Einige hatten sich bis dahin wirklich kaum damit befasst ... Und Sie? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was geworden wäre, wenn Sie als Kind nicht getauft worden wären!? Abgesehen davon, dass Sie dann kein Kirchenmitglied wären. Aber hätte Ihnen etwas gefehlt? Hätten Sie die Taufe als Erwachsener nachgeholt?
Vielleicht liegt die Schwierigkeit im Umgang mit der Taufe wirklich daran, dass die meisten von uns als kleine Babys getauft wurden und die Erinnerungen fehlen. Das ist anders als bei den anderen großen Anfangspunkten im Leben - Schulanfang, Konfirmation oder Hochzeit. Dabei ist die Taufe der Beginn unseres Lebens im Glauben. Es ist der Tag, an dem Gott uns seine Zusage geschenkt hat: ”Ich bin bei Dir alle Tage bis an der Welt Ende!” Wenn es diese Zusage nicht gäbe, wäre das Leben anders verlaufen? Hätten Sie ein anderes Lebensgefühl?
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat das Jahr 2011 zum „Jahr der Taufe” ausgerufen. Im Rahmen der Lutherdekade, die auf das 500jährige Jubiläum der Reformation 2017 zuläuft, bekommt jedes Jahr seinen eigenen Themenschwerpunkt. Und es beginnt - wie bei vielen auch in ihrem Leben - mit der Taufe ...
Zu Ostern hat das „Jahr der Taufe” begonnen - in unseren Kirchengemeinden gleich mit fünf Taufen. Ostern - das hat auch einen guten Grund, denn in der frühen Christenheit wurde nur zu Ostern getauft. Die Täuflinge sollten die Auferstehung, das neue Leben, das Gott schenkt, bei ihrer eigenen Taufe erleben. „Gottesgeschenk” - so heißt auch das Motto des „Jahres der Taufe”. Ich hoffe und wünsche, dass die beiden Größeren, die wir getauft haben, von diesem Geschenk schon viel gespürt haben. Und die drei Kleinen am Anfang des Lebens werden hoffentlich genauso dieses Geschenk auspacken für ihr Leben und hoffentlich die große Zusage Gottes entdecken: „Ich bin bei Dir!”
Für Martin Luther war es ganz selbstverständlich, sich immer wieder an seine Taufe zu erinnern. An jedem Morgen soll er sich bekreuzigt haben, um die lebendige und durch die Taufe geschenkte Verbindung mit Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, deutlich zu machen. Seine Überzeugung war: „ ... dass ein christliches Leben nichts anderes ist denn eine tägliche Taufe, einmal angefangen und immer daran darin gegangen.”
Ich hoffe, auch Sie entdecken das Geschenk der Taufe im „Jahr der Taufe 2011” ganz neu und „in der Taufe gehen”!
Ihr Pastor Bert Hitzegrad
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