„Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem”

Rache ist süß. Ein durchaus beliebtes Motto. Kleine, aber feine Rachefeldzüge. Orte des Geschehens sind Nachbarschaften, die Klasse, der Arbeitsplatz. Als Reaktion auf etwas, was man selber davongetragen hat. Suchen Sie Tipps? Sie werden problemlos fündig. Wie wäre es damit, dem Bekannten nachts um 3 Uhr den Schlüsseldienst zu bestellen? Eine teure Angelegenheit. Wenn Sie dann eine Woche später einen leeren Briefumschlag im Briefkasten haben unter falschem Absender – natürlich ohne Briefmarke, damit Strafporto fällig wird – ist das noch die harmlosere Variante.

Mit den Kleinigkeiten fängt es an. Und schnell entsteht ein Kreislauf der Bosheiten, der nicht mehr abreißt. Der Apostel Paulus hält uns ein großes Stopp-Schild vor das Gesicht. Mit der Jahreslosung 2011, dem Bibelvers, der uns im kommenden Jahr begleiten soll: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Stopp! Nicht umsonst stehen die Schilder an den gefährlichen Kreuzungen. Damit die Räder wenigstens kurz stehenbleiben. Einmal tief durchatmen an der Weggabelung. Kurz überlegen: Wie geht es jetzt weiter? „Lass dich nicht vom Bösen überwinden“, ruft uns Paulus zu.

Böse sind meistens die anderen. Aber plötzlich sind wir mittendrin. Dann hat uns das Böse selbst überwunden. Irgendwann stehen wir nicht mehr über der Sache, sondern sind ein Teil des Kreislaufs. Böses gegen Böses. Rache. Auge um Auge.

„Überwinde das Böse mit Guten!“ Ein herausfordernder Gedanke. Den Kreislauf durchbrechen. Nicht einfach reagieren, sondern einen ganz anderen Akzent setzen. Auf Böses mit Gutem antworten, kann das denn gutgehen? Ist das nicht unnötige Schwäche? Ich meine Nein! Denn damit werde ich selber aktiv. Ich lasse mich nicht hinreißen, werde nicht überwunden, sondern überwinde selber! Ich nehme das Heft in die Hand. Und muss es dann doch wieder aus der Hand geben: Die Reaktion meines Gegenübers bleibt mir wieder entzogen. Wie reagiert er? Überraschung? Gleichgültigkeit und Missachtung? Vielleicht Beschämung? Im besten Fall werden wir Freunde. Oder wir gehen wieder irritiert auseinander. Ein Versuch ist es doch aber wert, oder?

Rache ist süß? Oder doch lieber Variante Stopp-Schild! Kurz innehalten: Treibenlassen oder selber vorantreiben? Jedenfalls: Gedanken klarkriegen. Und: Gott ist dabei! Möchte die Kraft geben, den Kreislauf zu sprengen. Überraschungen erleben!

Vikar Jens Ubben





PS: Ein Kreativ-Tipp zum Schluss:

Gestalten Sie Sich doch Ihren persönlichen Jahreslosungs-Erinnerer! Z.B. ein Stück Pappe, auf den Sie den Text schreiben. Am besten zusammen mit den Bibelversen drumherum. Römer 12, 9-21 gehört zu einem gemeinsamen Abschnitt. Mit der Frage: Wie können wir unser Miteinander als Christen gestalten, in der Gemeinde, in unserer Nachbarschaft? Manche Gedanken des Paulus bieten weiteren Zündstoff! Hängen Sie die Pappe ins Bad neben den Spiegel, an den Kühlschrank o.ä. Dazu eine Wäscheklammer, die jeden Tag einen Vers weiter wandert, bis es wieder von vorne losgeht. Am besten das ganze Jahr. Ein morgendlicher Blick drauf: Was ist heute „dran“? Nehmen Sie den Vers im Hinterkopf mit in den Tag. Und vielleicht machen Sie Erlebnisse, wo die biblischen Gedanken plötzlich ein neues Licht werfen auf die Situation!