Passionszeit – Fastenzeit oder doch nur "7 Wochen ohne"?
Die Passionszeit hat es schwerer als die Adventszeit, obwohl beide von ihrem Ursprung als Zeiten der Buße, der Besinnung, des Nachdenkens her gar nicht weit auseinander liegen, auch wenn dies im Advent vor lauter Lebkuchen fast untergeht. Die Zeit vor Ostern – Passionszeit. Sie ist sperrig und anstößig, weil das Leiden Jesu Christi im Vordergrund steht. Sie ist nicht niedlich. Sie geht unserem Menschsein auf den Grund, weil das Leiden, der Schmerz insgesamt und dann das Leiden Gottes an seiner Welt und vor allem die Art und Weise, wie er es überwinden will, in Jesus am Kreuz ein Gesicht bekommen haben. Vielleicht ist diese Sperrigkeit ein Grund, dass das Fasten neu verstanden wurde in der „Aktion 7 Wochen ohne“ (oder mit), die ja gut ist und Chancen eröffnet. Das Nachdenken über Passion aber reicht noch tiefer in unser Menschsein und in Gottes Gott-Sein hinein. Und das ist im ersten Moment nicht bequem. „Leid gibt es doch schon genug in der Welt. Und nun soll man es auch noch andächtig meditieren?“ mag manch einer sagen. Ja, genau. Das dürfen wir. Denn zum ersten braucht es diese besondere Zeit, weil sie uns immer wieder zeigt, dass wir Christen nicht vor dem Leid und dem Schmerz weglaufen sollen. Ein reiner „Grinse-Glauben“ ist die Beziehung zu Gott in Jesus nie. Gott hat sich den Abgründen unserer Welt nicht entzogen. Wir sollen es auch nicht tun. Und darum ist diese Zeit auch Erinnerung an das Leid in unserem Leben und in der Welt.
Aber das Wort Passion sagt uns ja noch etwas anderes: ‚Für etwas eine Passion zu haben‘ sagt ja auch in unserem Sprachgebrauch, dass da einer für etwas oder jemanden eine Leidenschaft hat. Und genau das zeigt die Passionszeit uns. Sie schenkt uns einen Blick in das Herz Gottes. Sie erinnert uns in aller Eindrücklichkeit daran, dass Gott für uns, für seine Menschen eine Passion hat, dass wir ihm leidenschaftlich am Herzen liegen, so sehr, dass sein Sohn auch noch den allerletzten Weg in den Abgrund gegangen ist. Keine menschliche Finsternis ist ihm fremd. Er ist kein ‚Wolken-Kuckucks-Gott‘. Nein, seine Leidenschaft und Liebe für uns reicht bis zur letzten Stufe.
Und so verstanden wird das Kreuz zu einem Zeichen der Liebe und Leidenschaft Gottes für uns, zu einem Zeichen der Hoffnung und der Freude, nicht des Todes, zu einem Zeichen, dass wir nicht verloren gehen sollen und dass er noch auf uns wartet und es ihm Leiden schafft, wenn uns das alles egal ist und er uns nicht mit seiner Liebe beschenken kann, die Jesus bis in den Abgrund gelebt und gezeigt hat. Am Kreuz, in der Passion Jesu, können wir Gott festhalten bei dem, was er für uns ist und immer neu sein will: Der liebende Gott, der uns hier in der Welt und in alle Ewigkeit in seiner abgrundtiefen Liebe halten will. Und wenn uns ‚7 Wochen ohne‘ dazu helfen, dem allen und darin uns selbst ein Stück auf die Spur zu kommen, dann ist es gut.
Und weil wir wohl ein Leben brauchen, um Gottes Leidenschaft und Liebe für uns zu begreifen, darum ist es gut, dass es auch in diesem Jahr die Passionszeit gibt. Gott segne Sie und Euch in dieser Zeit!
Ihr/Euer Pastor Jens Monses
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