Glauben auf Knopfdruck?

Liebe Gemeinde,

„Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Das ist die Einladung der Jahreslosung, dem biblischen Wort speziell für 2010. Eine Aufforderung zum Glauben, geht das so einfach? Glauben auf Kommando? Es stellt sich ja wirklich die Frage, ob man Glauben so einfach machen kann. Ist Glauben nicht manchen Menschen gegeben, und anderen eher nicht so?

„Glaubt an Gott!“ auf Knopfdruck? Ja und Nein! Denn beim Glauben geht es um zweierlei: Um Glaubensinhalte und um ein Glaubensgeschehen. Glaubensinhalte, das heißt: „Ich glaube, dass…!“ Inhalte des Glaubens kennenlernen, das können wir auf eigene Initiative hin tun. Und das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen: Der Konfirmandenunterricht ist etwa so ein Ort oder der Gottesdienst. Der neugierige Blick in die eigene Bibel. Das Gespräch über den Glauben bei Veranstaltungen unserer Gemeinde. Oder über den Gartenzaun. Hier erfahren wir etwas über Inhalte unseres Glaubens. Zu ihnen können wir uns dann ins Verhältnis setzen: Überzeugen sie uns? Über was müssen wir noch einmal genauer nachdenken? Glaubensinhalte können wir uns aneignen.

Aber Glauben ist viel mehr, als dass wir Glaubenssätze als richtig anerkennen. Auch das Glaubensgeschehen muss in den Blick kommen. Glaube meint ein Vertrauen auf Gott: „Ich glaube dir!“ Ein Beziehung, in der wir darauf vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint, dass er uns liebt. Dass er etwas mit uns vorhat. Beziehungen leben vom Gespräch und gemeinsamen Erfahrungen. Und dieses Vertrauen geht eben nicht auf Knopfdruck. „Glaubt an Gott!“ kann uns zum Vertrauen ermutigen, doch letztlich sind wir darauf angewiesen, dass Gott selbst uns Glauben schenkt und wir ihm vertrauen können. Und dieses Glaubensgeschehen ist dann wieder rückgebunden an Glaubensinhalte, um nicht inhaltsleere Schwärmerei zu werden. Die Erfahrung des Glaubens ringt dann auch darum, das zu verstehen, was sie im Vertrauen auf Gott ergriffen hat. Beides gehört zusammen: Das vertrauensvolle Glaubensgeschehen und das nach-denkende Rückfragen nach den Glaubensinhalten.
Auch der Monatsspruch für den Mai nimmt diese Fragen in den Blick: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräerbrief 11,1). „Feste Zuversicht“ kann dort gut wachsen, wo sich Vertrauen bewährt hat. Wo haben wir Vertrauenserfahrungen in unserem Leben gemacht? Und wo können diese Erfahrungen uns helfen, dass das Geschenk des Glaubens bei uns andocken kann? Um dieses Glaubensgeschehen zu unterstützen, sollten wir auch unsere Glaubensinhalte, das, „was man hofft“, vertiefen. Bekanntes neu hören und Neues entdecken. Ob wir aber jemals zu einem „Nichtzweifeln“ vorstoßen werden? Gehört der Zweifel nicht zum Glauben dazu? Auf dem Weg unseres Glaubens und Zweifelns können uns Glaubensvorbilder helfen. Dem Monatsspruch folgen im Hebräerbrief Berichte von Menschen der Bibel und ihren Glaubenserfahrungen. Das sind Menschen, die uns vorausgehen und eigene Erfahrungen berichten können, wie sie immer wieder vom Zweifeln zum Glauben vorgedrungen sind. Möge auch unsere Gemeinde ein solcher Ort sein für das Austauschen von Glaubenserfahrungen.

Ihr Vikar Jens Ubben



Letzte Änderung am Samstag, 28. April 2012 um 16:06:54 Uhr.