Gast auf Erden – Paul Gerhardt neu entdeckt

So der Titel der ersten CD von Sarah Kaiser. Sie, die ausgebildete Jazzsängerin, hat die alten ehrwürdigen und oft so tiefgründigen Kirchenlieder von Paul Gerhardt neu entdeckt und hat sie neu und anders aufgenommen. Herausgekommen ist dabei eine interessante Mischung aus den alten Texten und neuen Melodien und Liedern. Davon werden wir Einiges hören können beim Konzert mit Sarah Kaiser und ihrer Band am 22. März um 20 Uhr in unserer Kirche in Cadenberge und den Texten, die der Theologe und Journalist Andreas Malessa einbringen wird. Wir dürfen gespannt sein. Und darum noch einmal eine herzliche Einladung zu diesem Abend.

Aber dieser Abend ist natürlich auch eine andere Einladung, nämlich sich auf die Jahrhunderte alten Worte des Liederdichters Paul Gerhardt einzulassen, sie zu lesen und zu hören, zu singen und zu bedenken, zu meditieren und dabei Entdeckungen für das eigene Leben zu machen. Denn sie haben Tiefgang und manchmal eine Fröhlichkeit zugleich. Kaum ein Freiluft-Gottesdienst im Sommer ohne „Geh aus mein Herz“.

In unserem Gesangbuch ein ganzes Stück weit hinten unter der Nr. 529 steht das Lied, das der CD von Sarah Kaiser den Namen gab: „Ich bin ein Gast auf Erden“. Paul Gerhardt hat diese Worte offenbar erst gedichtet, als er schon auf einen Teil seines Lebens zurückblickte und dabei war, im Streit sein Amt als Pastor niederzulegen. Von manchen stürmischen Zeiten, von Kummer und Sorgen, von Mühe und Not redet er, ja sogar von fehlender Lebensfreude und einer gewissen Lebensmüdigkeit und schließlich von Tod und Grab. Aber er bleibt nicht bei diesen trübsinnig erscheinenden Gedanken stehen, sondern redet ebenso von seiner Sehnsucht nach Gottes Ewigkeit und seiner Hoffnung auf den Himmel Gottes. Dahin zieht es ihn, dort sieht er seine endgültige Heimat, nach all den Schwierigkeiten des irdischen Lebens. Er weiß offenbar, was und vor allem wer ihn in seinem Leben letztlich tragen kann.

Hier auf der Erde sieht er sich als Gast, als ein Durchreisender. Der Vers aus dem Hebräerbief klingt durch: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige aber suchen wir.“ Oder mit den Worten Paul Gerhardts in er 1. Strophe seines Liedes: „Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand. Der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier reis ich bis zum Grabe, dort in der ewgen Ruh ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu.“ Bei allem in manchem sicher auch bitteren Rückblick auf sein Leben strotzen die Worte vor Hoffnung auf die großen Möglichkeiten Gottes. Und das ist ein wahrhaft österlicher Gedanke, den wir mitnehmen können, auf unserem Weg durch die Passionszeit auf Ostern zu, dem Fest der Hoffnung auf die Auferstehung und der Entdeckung, dass der Himmel unser Vaterland ist, in dem wir dann keine Gäste mehr sein werden, so wie jetzt noch, sondern die, die endgültig bei Gott wohnen.

Vielleicht können wir solche Hoffnung einüben, gerade dann wenn einem Vieles fragwürdig erscheint. Vielleicht sehen wir uns ja am 22. März und lernen Sarah Kaiser und mit ihr und durch sie Paul Gerhardt neu kennen, so dass uns in dieser Zeit das Osterfest mit seiner Auferstehungshoffnung und der Aussicht auf Heimat im Himmel bei Gott näher rückt. Gott segne Sie!

Ihr und Euer Pastor Jens Monsees



Letzte Änderung am Samstag, 28. April 2012 um 16:06:51 Uhr.