Sonntagsbetrachtung

Was würde Jesus dazu sagen?


Nun ist er doch in die Kinos gekommen - der Film über das Attentat auf Adolf Hitler. In der letzten Woche lief er in Deutschland an - und immer noch bleibt die Frage, ob ein Hollywood-Streifen geeignet ist, die deutsche Geschichte aufzuarbeiten. Und ob ein Star, der öffentlich für die Scientology-Sekte wirbt, die angemessene Besetzung für einen Mann des Widerstands im Nationalsozialismus ist. Die Kritik bleibt. Aber die jüngere Generation, die Hollywood und ihre Stars und Sternchen liebt, wird zumindest erfahren, dass es Männer wie Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg gab, die sich gegen Hitler und sein menschenverachtendes Regime stellten - und dabei auch ihr Leben und das Leben ihrer Familie aufs Spiel setzten.

Dass es auch Widerstand gab, das ist nur allzu wenigen bekannt. Und dass darunter auch Menschen waren, die dies aus ihrem christlichen Glauben heraus und in der Verantwortung vor Gott taten, noch weniger. Dietrich Bonhoeffer war einer von ihnen, der uns sein unerschrockenes „Von guten Mächten wunderbar geborgen” aus den Schrecken der letzten Kriegsmonate hinterlassen hat. Und Martin Niemöller gehörte zu ihnen, der U-Boot-Kommandant im ersten Weltkrieg war, sich im evangelischen Kirchenkampf gegen Hitler stellte und als Pazifist nach dem Krieg gegen die Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik protestierte. Was bewegte ihn dabei? Aus seiner Jugendzeit wird erzählt, dass der Pastorensohn in Elberfeld in einer Webstube einen Teppich entdeckte. Darauf stand: „Was würde Jesus dazu sagen?” Diese Frage hat ihn zeitlebens nie wieder losgelassen. Er studierte Theologie und gehörte in den 30er Jahren zu den evangelischen Kirchenführern. Als er beim damaligen Reichskanzler mit anderen Vertretern geladen war, sagte Hitler mit deutlichen Worten: „Kümmern Sie sich um ihre Kirche, aber die Sorge um das deutsche Volk überlassen Sie mir!” Der damals noch unbedeutende Pastor Niemöller soll geantwortet haben: „Die Sorge um das deutsche Volk hat jemand anderer auf unser Gewissen gelegt, und die können Sie uns nicht abnehmen!”

Martin Niemöllers unerschrockene Haltung führte zu Predigtverboten und Strafverfahren. Acht Jahre lang steckten die Nazis den unbequemen Pfarrer in Gefängnisse und Konzentrationslager. Niemöller konnte nicht schweigen - denn Jesus hätte auch nicht geschwiegen. Und die Frage „Was würde Jesus dazu sagen” ließ ihn auch nach dem Nazi-Spuk nicht los. Er erhob sein Wort gegen die Wiederbewaffnung in Deutschland, den Krieg in Vietnam und gegen die nukleare Hochrüstung.

„Was würde Jesus dazu sagen?” Niemöller hat immer wieder die Fragen der Gegenwart im Lichte der Bibel und der Worte Jesus gesehen und daraus seine Konsequenzen gezogen.

In der vergangenen Woche ist mit Stauffenberg einer der „Helden des Widerstandes” auf die Kinoleinwände gekommen. In letzten Januar-Woche, in der ein Tag an die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz 1945 erinnert - der 27. Januar. Er ist zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus geworden. Was wäre gewesen, wenn sich damals mehr Menschen die Frage gestellt hätten: „Was würde Jesus dazu sagen?”

Wir, die jüngere Generation, wissen nicht, wie wir damals gehandelt hätten. Wir müssen heute handeln. Deshalb bleibt die Frage, die Martin Niemöller auf dem Teppich in einer Weberei entdeckt hatte, für uns aktuell.

Bert Hitzegrad, Pastor in Cadenberge und Kehdingbruch



Operation Walküre

Fakten zum Film

Der im Afrika-Feldzug schwer verwundete (Tom Cruise) steht loyal zu Heimat, Volk und Vaterland. Doch als Europa und die halbe Welt in Flammen stehen und er um die Massenmorde und Verbrechen Hitlers weiß, ist auch von Stauffenberg überzeugt, dass dieser Krieg, nicht nur nicht zu gewinnen ist, sondern Deutschland ins Verderben führen wird. Der überzeugte Patriot begreift, dass Begriffe wie Ehre und Gerechtigkeit bedeutungslos geworden sind, dass Soldaten und ganze Völker sinnlos geopfert werden und sein Vaterland in eine ungeheure, umfassende Katastrophe steuert.

1943 schließt er sich einer Widerstandsgruppe an. Mit der genialen Strategie, Hitlers eigene Notfallplanung - die sogenannte "Operation Walküre" - zu nutzen, planen diese Verschwörer den "Führer" zu beseitigen, sein Regime zu stürzen und die Schlüsselressorts der Reichsführung mit ihren Männern zu besetzen. Für das Schicksal von Millionen Menschen setzen sie ihr eigenes und das Leben ihrer Familien aufs Spiel.

Mit Tom Cruise in der Hauptrolle erzählt der Spielfilm OPERATION WALKÜRE - DAS STAUFFENBERG ATTENTAT die wahre Geschichte des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und des verwegenen Plans, Hitler durch ein Attentat zu beseitigen. In einer erneuten Zusammenarbeit von Regisseur Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen", "X-Men", "", "") mit dem Oscar-gekrönten Drehbuchautoren Christopher McQuarrie ("Die üblichen Verdächtigen") entstand eine faszinierende Chronik über die Ereignisse des 20. Juli 1944 und über jene Männer, die sich auf Leben und Tod gegen Hitler verschworen.

Text: 20th Century Fox