Vikar Jens Ubben 



Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Haben Sie gelegentlich Zweifel? Unser Leben ist ja auch durch viele Unsicherheiten geprägt. Da stellen sich verschiedene Fragen, z.B.: Kann ich dieser oder jener Person wirklich vertrauen? Habe ich die wichtige Entscheidung in der letzten Woche richtig getroffen? Schnell kommen Zweifel auf. Auch die gesellschaftlichen Ungewissheiten bringen uns ins Fragen: Hilft uns das neue Konjunkturpaket wirklich aus der Krise? Ist der neue Bundeswirtschaftsminister tatsächlich kompetent genug für seine Aufgabe? Werden wir auch in Zukunft noch genug Rente bekommen? Auch in Glaubensfragen können uns Zweifel bewegen: Ist da wirklich etwas dran mit Gott, oder bilde ich mir das vielleicht doch nur ein? Wenn ich Gott sehen könnte, wäre dann nicht alles viel einfacher?

Auch Personen in der Bibel haben Zweifel gehabt. Bis in die engste Gruppe um Jesus herum. Thomas, einer seiner Jünger, war ein Mensch voller Zweifel. Einige Tage zuvor war Jesus gekreuzigt worden. Vorbei die Jahre mit Jesus, in denen sie gemeinsam unterwegs waren, in denen Jesus predigte, Kranke heilte, mit Israels religiösen Autoritäten diskutierte. Nun war er tot. Vorbei die Hoffnung, dass jetzt alles besser werden würde. Langsam kehrte der Alltag wieder ein. Und dann diese merkwürdigen Ereignisse ein paar Tage später: Jesu Grab soll leer sein! Einige Frauen aus dem Ort hatten erzählt, sie wären Jesus begegnet. Sollte man solche Berichte wirklich ernst nehmen? Dann erzählten sogar seine Jüngerkollegen: Beim letzten Treffen, als er nicht da war, soll Jesus leibhaftig da gewesen sein. Hatten jetzt die Berichte, die über eine Auferstehung Jesu kursierten, auch seine Freunde angesteckt? Thomas zweifelt. Und er benennt deutlich die Bedingung dafür, dass er das glauben kann: Er muss seine Finger schon in Jesu Wundmale legen können. Thomas sucht den handfesten Beweis.

Wie geht Thomas mit seinen Zweifeln um? Eines beeindruckt mich: Er behält seine Zweifel nicht für sich, zieht sich nicht aus der Jüngergemeinschaft zurück. Seine Fragen bringt er in die Jüngergruppe hinein. Hier spricht er offen darüber, was ihn bewegt. Und der Auferstandene reagiert: Er erscheint nochmals in der Jüngergruppe. Nach einem kurzen Gruß in die Runde geht er direkt auf Thomas zu. Um ihn zu tadeln, dass er zweifelt? Auch das tut er: Er ermutigt ihn zum Vertrauen, auch ohne den augenscheinlichen Beweis. Und gleichzeitig lässt er sich ganz individuell auf Thomas ein, begegnet er ihm, kümmert sich um ihn in seiner ganz speziellen Situation des Zweifelns. Jetzt können die Zweifel ausgeräumt werden: In der persönlichen Begegnung mit Jesus.

Dass bei unserem Glauben Zweifel aufkommen, gehört durchaus dazu. Die Frage ist, wie wir mit ihnen umgehen. Wo können wir unsere Glaubenszweifel lassen? Doch am besten in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, die genauso zweifeln und fragen. Und die genauso nicht für sich bleiben mit ihren Anfragen. Hier dürfen wir vertrauen, dass Jesus auch uns begegnet. Veranstaltungen unserer Kirchengemeinde können ein solcher Ort sein. Bringen Sie Ihre Fragen mit! Z.B. in die zweimal jährlich auf Kirchenkreis stattfindende Thomasmesse. Nicht umsonst benennt sie sich nach dem Jesusjünger und bietet Freiraum für persönliche Fragen. Auch die ProChrist-Aktion demnächst lädt zum „Zweifeln und Staunen“ ein.
Ihr Vikar Jens Ubben



Letzte Änderung am Samstag, 28. April 2012 um 16:07:07 Uhr.