Natürlich freut sich jeder Kantor darüber, wenn die Gemeinde geschlossen bis zu Orgelnachspiel bleibt! Hat er sich doch auf ein der Thematik des Gottesdienstes entsprechendes Nachspiel eingestellt und könnte ein frühzeitiges Verlassen der Kirche als Missachtung seiner Kunst werten.

Und doch, auch hier kann es wiederum persönliche Gründe geben, den Gottesdienst früher zu verlassen. Und so plädieren wir für den Mut, in jedem dieser Fälle auf den Gottesdienstbesuch nicht zu verzichten, auch wenn uns bestimmte Teile der Feier versagt bleiben.

Die Toleranz und das Verständnis für unser Verhalten von anderen Kirchgängern und den Amtsträgern sollten auf unserer Seite sein.Denn wer stört sich daran, wenn alljährlich der eine oder andere beim Gottesdienst in der Sandkuhle zu spät kommt, weil er den Weg vielleicht nicht auf Anhieb gefunden hat. Und das soll anders sein, wenn 4 Mauern und ein festes Dach die Feier zu Ehren Gottes räumlich u mgeben?

Dazu aus dem persönlichen Erleben: 5 Stunden Flugunterbrechung in Atlanta, Georgia, Stadt der Pfirsichblüten und Dr. Martin Luther Kings. Die Zeit reicht aus, mit der Bahn die City zu erreichen, Sightseeing. Gegen Mittag höre ich ein Orgelspiel aus einer katholischen Kirche an einer Prachtstrasse. Ich gehe hinein, der Gottesdienst ist hat längst begonnen. Freundlich werde ich im Foyer von zwei ehrenamtlichen Helfern begrüßt (ein Hauch von ProChrist) und mit der Gottesdienstordnung versehen zu einem Platz geleitet. Ich bin nicht der einzige Besucher, der verspätet kommt. Ich genieße den Aufenthalt, lässt er mich doch innehalten, Kräfte sammeln. Leider muss ich vor Beendigung des Gottesdienstes die gastliche Stätte wieder verlassen. Auch hier stoße ich auf Verständnis bei den Ehrenamtlichen: sie geleiten mich in den Raum, der für Kirchenkaffee vorbereitet ist...ein Becher Kaffee mit auf den Weg, ein Donat (Gebäck) als Wegzehrung, so erreiche ich den Flughafen geistlich und körperlich gestärkt, um den Weg nach Europa mit dieser guten Erinnerung und positiven Erfahrung fortzusetzen.

Auch bei uns so denkbar?

Helga und Martin Lamke