„Was sie schon immer von Kirche wissen wollten, sich aber bislang nicht getraut haben, zu fragen“...oder „Was im Konfirmandenunterricht bislang nicht besprochen wurde“.
Wie der interessierte Leser bemerkt hat, diskutieren wir einige Themen, die bewegen, die als konkrete Fragen aber nicht gestellt werden, weil es peinlich erscheint, Benimm-Regeln zu thematisieren und/oder öffentlich zu diskutieren. Wir holen uns dafür Rat beim „Kirchenknigge“ mit Regeln für Kirchenbesucher in besonderen Situationen.
In der ersten Folge waren wir uns darüber einig, dass wir unsere Freude oder Zustimmung auch in der Kirche sehr wohl zum Ausdruck bringen dürfen, nach dem Motto: Es darf geklatscht werden! Auch bei der Diskussion darüber“ Ob man zu spät in den Gottesdienst kommen darf?“ regte sich kein offensichtlicher Widerspruch in der Gemeinde.
Und heute widmen wir uns dem Thema „ Darf ich mit meinem Nachbarn tuscheln, wenn mich die Predigt an etwas erinnert?“Wer kennt das nicht: der Pastor ist mitten in seiner Predigt...Wir können uns so sehr mit dem identifizieren, was da von der Kanzel klingt, es bewegt uns innerlich...Wir teilen es unseren Nachbarn mit...frei dem Herzen und dem Motto folgend: geteilte Freude ist doppelte Freude oder geteiltes Leid ist halbes Leid. Da werden wir durch ein zischelndes „Pssssst“ aus der Reihe hinter uns zur Ordnung gerufen.
Wir fühlen uns ertappt, ein Hauch von Unsicherheit und schlechtem Gewissen macht sich in uns breit. Geflüster und Getuschel stört andere beim Zuhören, daran gibt es grundsätzlich nichts zu rütteln. Egal, ob im Konzert, im Theater, im Kino oder im Gottesdienst.
Und doch... wie man im Gottesdienst damit umgeht liegt beim jeweiligen Pastoren: Ungeteilte Aufmerksamkeit erwartet der eine mit dem Hinweis darauf, dass seine kurze und griffige Predigt auf die Aufnahmefähigkeit seiner Zuhörer abgestimmt sei. Andere Pastoren hingegen sehen es lockerer: eine Predigt sei eine lebendige Kommunikation. Auf Stille und Konzentration zu beharren, wäre künstlich. So sind doch selbst die beliebten Fortsetzungsserien im Fernsehen darauf gebaut, eine Sequenz oder einen Dialog jeweils nicht länger als 7 Minuten auszudehnen, da die Wissenschaft dieses als generelles zeitliches Maximum der Konzentrationsfähigkeit auf eine Sache festgestellt hat.
Zurück zur Predigt der „lockeren Pastoren“: es dürfe daher also auch mal getuschelt werden, wenn ein guter Gedanke die Menschen anspricht. Ist dies doch als sicheres und vom Redner durchaus gewünschtes Zeichen zu deuten, dass der Inhalt des auf der Kanzel Gesagten bei den Menschen angekommen, der Funke übergesprungen ist. (Diese Auffassung sollte aber bitte nicht als Freibrief für Unruhe auf der „Konfirmandenbank“ gesehen werden!)
Dass auch mal über etwas ganz Banales geflüstert wird oder eine Formulierung des Pastors jemanden zum Kichern veranlasst, ist im Grunde also gar nicht so schlimm. Pastoren suchen in der Regel Blickkontakt während der Predigt und schauen automatisch hin, wenn geredet wird. Meist hört dann das Getuschel auf…
Fazit: ein guter Prediger sollte somit eigentlich keine Sorge haben, dass kommunikationsfreudige Schäfchen den Anschluss an die Predigt verlieren…und wir werden weiterhin dezent flüstern, wenn die Predigt uns und unsere Gefühle anspricht.
Helga und Martin Lamke
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