eine Sonntagsbetrachtung anläßlich des 1. Themengottesdienstes am 15. Juli
Endlich geschafft: Wir haben Ferien! Und das wurde auch Zeit. Die Kinder waren müde von der Schule, die Lehrer gestresst von den letzten Prüfungen und Konferenzen, die Eltern gehetzt von einem Sommerfest nach dem anderen. Alltagsmüde, ausgepowert, urlaubsreif...
Am letzten Sonntag hatten wir in Cadenberge genau dies zum Thema eines Gottesdienstes gemacht: „Ich bin reif für die Insel!" Dahinter versteckte sich nicht nur ein alter Hit von Peter Cornelius, sondern die Erfahrung vieler Menschen kurz vor dem Urlaub, „l bin reif, überreif" hat der österreichische Liedermacher einst gesungen. Und damit singt er immer noch vielen aus dem Herzen.
Die Frage ist natürlich: Wo ist die Insel, auf der kein Telefon mehr klingelt, nicht ein Termin den anderen jagt und wo man einfach nur die Beine und die Seele baumeln lassen kann?
Im Gottesdienst am letzten Sonntag wurde auch deutlich: Viele wollen gar nicht solch eine Insel im Urlaub. Ein Fachmann aus dem Reisebüro berichtete, dass Reisen „all inclusive", also auch Reisen mit einem vollen Animationsprogramm, sehr „in" sind. Und in einem kleinen Theaterstück wurde diese Urlaubshaltung dann auch überzeugend dargestellt: Ein Tourist, der abgehetzt auf den Ferienflieger wartet, gerade die letzten Termine erledigt hat und sich nun in sein Urlaubsprogramm stürzt, das von morgens bis abends durchgeplant ist... Ist das Urlaub von Anfang an? Lässt man da alle Sorgen über den Wolken oder wenigstens hinter sich?
Jesus hat einmal in der Bergpredigt gesagt: „Sorgt Euch nicht!" Und im Blick auf die Blumen auf dem Feld fügt er hinzu: „Seht die Blumen auf den Wiesen an! Sie arbeiten nicht und kümmern sich auch nicht um ihre Kleidung. Doch selbst König Salomo in seiner ganzen Herrlichkeit war lange nicht so prächtig gekleidet wie irgendeine dieser Blumen." (Mt 6, 25ff)
Beim Nicht-Sorgen geht es um eine Lebenshaltung. Sie meint: Lebe hier und jetzt, heute und ganz bew.usst. Nimm Dir Zeit für die Schönheit der Blumen, die prächtiger sind als manches Kleid eines Topmodels. Nimm Dir Zeit für Deine Familie - das Lachen und Weinen Deiner Kinder ist ein Stück des Lebens, das Gott Dir schenkt. Ihre Stimmen sind schöner und wohlklingender als die Töne deines Handys ...
„Sorget nicht" meint deshalb: Wir haben ausgesorgt, weil unser Leben in Gottes Hand ruht. Und dieses Vertrauen nimmt dann den Druck, das Leben und den Urlaub von vorn bis hinten durchzuplanen. Es ermöglicht vor allem auch „Inseln der Ruhe und des Glücks" mitten im Alltag.
Man muss nicht erst „überreif" für die schönsten Wochen im Jahr werden. Es gibt auch mitten im Stress schon immer wieder die Momente und die Orte der Ruhe. Für mich gehören unsere Kirchen dazu. Orte, wo meine Seele Ruhe findet und durchatmen kann. Viele Kirchen sind gerade jetzt in der Urlaubszeit für Besucher geöffnet. Dafür muss man nicht nach Mallorca oder auf die Malediven fliegen. Auch in unserer Region sind viele dieser Inseln der Ruhe und Erholung geöffnet - schauen Sie doch einmal herein!
Wie weit auch immer Ihre Wege Sie in der kommenden Zeit führen werden - mit dem Sommerpsalm des Kabarettisten Hanns Dieter Husch möchte ich uns allen wünschen: „Im Übrigen meine ich, dass Gott, unser Herr, uns einen großen Sommer schenke. Den Familien einen Korb voll Ruhe und viele hoffnungsvolle Blicke auf grün und blau..."
Bert Hitzegrad
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