Baracke in Sandbostel 



Schon seit einiger Zeit hilft Pastor Peter Handrich aus Mulsum bei Fredenbeck in Cadenberge (und in Warstade) die Zeit der Vakanz bei der Superintendentenstelle zu überbrücken. Vielen ist er durch die Gottesdienste und Besuche schon gut bekannt. Peter Handrich hatte im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven vorher einen kirchlichen Auftrag für die „Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel“. Dort ist er nicht mehr tätig, aber für die ehemalige Lagerkirche engagiert er sich ehremamtlich. Für den Gemeindebrief stellt er seine Arbeit dort vor:



 



„Am 9. September 2007 war der Tag des Offenen Denkmals. Im Mittelpunkt standen diesmal „Historische Sakralbauten“, und ganz unbescheiden habe ich in diesen Begriff mal die Lagerkirche in Sandbostel hinein genommen und sie geöffnet.

Die Lagerkirche liegt auf dem Gebiet des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Sandbostel südlich von Bremervörde, in dem bis 1945 zeitweise bis zu 50.000 Kriegsgefangene und am Schluss auch KZ-Häftlinge untergebracht waren. Viele von ihnen sind an Unterernährung, Krankheiten oder bei Fluchtversuchen ums Leben gekommen.





Lange Zeit war die Geschichte dieses Lagers ein offizielles Tabu, über das möglichst wenig Aufhebens von Seiten der politisch Verantwortlichen gemacht wurde. Nur der Verein „Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel“ hat immer wieder dafür gekämpft, dass an diesem Ort Möglichkeiten der Erinnerung und des Gedenkens geschaffen werden. Lange Zeit war das ein Kampf gegen Windmühlen, aber mittlerweile gehören Teile des Lagergeländes einer Stiftung, deren Ziel genau dies ist. Und am Tag des Offenen Denkmals in diesem Jahr haben sehr viele Menschen das zum ersten Mal wahrgenommen, dass es endlich einen Ort der Dokumentation und des Gedenkens an diesem Ort gibt.

Als ehrenamtlicher Pastor an der Lagerkirche habe auch ich immer wieder diesen Ort ins öffentliche Gespräch gebracht, weil ich glaube, dass wir Menschen mit unheiliger Geschichte nur offen umgehen können, wenn wir etwas aus dem Unheil lernen wollen. Meine Besuche auf dem Lagergelände mit Schulklassen und Konformandinnengruppen haben mir immer wieder gezeigt, dass es ein Unterschied ist, ob ich an der Schule ganz trocken über die Zeit des Nationalsozialismus unterrichtet werde, oder ob ich hautnah sehen und anfassen kann, welche Konsequenzen ein solches System für einen einzelnen Menschen in einer Baracke eines solchen Lagers hatte.

Ich bin also heilfroh, dass hier nun etwas wirklich Gutes voran gekommen ist und es am 9. September zum ersten Mal eine offene Lagerkirche und die offene Dokumentations- und Gedenkstätte auf diesem Gelände gegeben hat. Und ich hoffe, dass es damit weiter geht.

Machen Sie sich doch selbst einmal ein Bild davon. Noch gibt es keine regelmäßigen Öffnungszeiten, wohl aber in der Zeitung angekündigte Führungen. Und natürlich die Möglichkeit, sich mit Gruppen dort anzumelden.“

Peter Handrich