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Freitagsfrühstück – ein Angebot läuft aus
9 Jahre und 5 Monate Freitagsfrühstück: das bedeutet 480 mal den Tisch gedeckt und auf Gäste von der Landstraße gewartet. N i e m a l s ist das Frühstück ausgefallen, auch an Freitagen die auf den Heiligen Abend, auf einen Weihnachtsfeiertag oder auf den Karfreitag fielen, nicht. Am Freitag, den 24. März 2006 deckten wir zum letzten Mal den Tisch, diesmal für uns Mitarbeiter. Wir hielten Rückschau und davon möchte ich Ihnen erzählen: Es begann vor fast genau 12 Jahren. Damals wurde ich gefragt, ob ich für den Kirchenvorstand kandidieren möchte. Ich überlegte mir, wofür ich mich wohl besonders einsetzen könnte. Ich erinnerte mich daran, dass ein paar Jahre zuvor in Cadenberge ein Mann erfroren war… - ich wollte mich dafür einsetzen, eine Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose zu schaffen.
Nachdem sich der neue Kirchenvorstand konstituiert hatte, gingen wir gemeinsam ans Werk. Bei den Treffen des Diakonieausschusses mit Herrn Fuchs und Herrn Grewe-Ibert von Seiten der politischen Gemeinde merkten wir schon bald, dass es zu teuer und zu riskant wäre, Räumlichkeiten anzumieten. Außerdem wussten wir zu wenig über die Bedürfnisse der Berber. Wir gaben aber nicht auf, sondern veränderten unser Ziel indem wir uns sagten: lasst uns ein Frühstück anbieten. Einen Raum im Gemeindehaus konnten wir nutzen, somit fielen nur die Kosten für die Lebensmittel an und wir konnten Erfahrungen sammeln. 14 Frauen und Männer unserer Kirchengemeinde waren spontan zur Mitarbeit bereit. Über diese Bereitschaft habe ich mich sehr gefreut und sie hat mir Mut gemacht. Am 7. November 1996 wurde zum ersten Mal der Frühstückstisch gedeckt. Die politische Gemeinde stellte eine Waschmaschine und einen Trockner zur Verfügung, beide Geräte fanden ihren Platz - mit einer zusätzlich eingebauten Dusche - im abgetrennten Teil der geräumigen Herrentoilette des Gemeindehauses.
Im Jahre 1997 beschloss der Kirchenvorstand eine der vorhandenen Garagen umzubauen und einen Anbau als Verbindung zum Diakonischen Werk herzustellen. Im Juni 1999 war dann die Einweihung des „Berber-Hilton“ wie unsere Gäste die Unterkunft nannten. Damit war auch mein ursprüngliches Anliegen erreicht. Aufgrund dieser Einrichtung erhielt Frau Frerichs einen vom Arbeitsamt geförderten Arbeitsplatz. Später folgten ihr Frau Bischoff und Frau Klonczynski. Viel haben wir mit unseren Gästen erlebt. Sie haben uns an sich Anteil nehmen lassen und aus ihrem Leben erzählt. Sie haben in unser Gästebuch geschrieben und auch schon mal eine Rose geschnorrt und mitgebracht.
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Wir haben unsere Einrichtung auch anderenorts vorgestellt; z. B. im März 2000 auf der Regionalmesse in Stade und auf der Cuxland Messe in Hemmoor. Am 25. Mai vorigen Jahres haben wir unser Projekt beim Kirchentag in Hannover vertreten, dieses war eine besondere Herausforderung und Freude zugleich.
Die Unterstützung, die wir vor Ort erfuhren, hat uns sehr gefreut und geholfen. Zweimal bedachten uns die „Montagsbänkler“ mit großzügigen Spenden, ebenso der Schaustellerverband. Seit Juni vorigen Jahres blieben unsere Gäste mehr und mehr aus, denn in Cadenberge wurden keine Tagessätze mehr ausgezahlt. Die Zahlstellen sind jetzt in Hemmoor und Otterndorf, die Zeit am Vormittag reicht nicht um den Weg zum Freitagsfrühstück zu schaffen. Mit Wehmut ziehen wir nun die Konsequenz und geben das Frühstück auf, die Unterkunft aber bleibt.
Ich möchte mich im Namen unseres Teams ganz herzlich beim Kirchenvorstand bedanken, der uns stets vorbehaltlos unterstützt hat. Unser Dank gilt auch der politischen Gemeinde und ganz besonders Herrn Fuchs. Uns hat er immer wieder Mut gemacht und für die Menschen von der Landstraße hatte er immer Zeit und ein offenes Ohr. Nun bleibt mir nur noch dem Freitags-Frühstück-Team zu danken. Ihr wart einfach Spitze. Keiner von euch hat gemault, wenn es mal müffelte oder hitzige Debatten gab. Immer wart ihr freundlich und geduldig und vor allem aufmerksame Zuhörer. Danke für alles, was ihr getan habt.
Bärbel Feil
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