Für die Ausgabe zum Bugenhagenhaus-Jubiläum haben wir Walter Adami um sein liebstes Bibelwort gebeten. Der Zimmermeister aus der Wingst war vor 50 Jahren an der Einrichtung des neuen Kirchengebäudes in Westerhamm beteiligt. Zusammen mit dem Bibelwort, das ihm und seiner Frau Agate wichtig geworden ist, erinnert er sich an die Pläne für den Bau des Hauses, an seinen Ärger als Handwerker und auch an den Stress bei der Bestuhlung:

„Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt,
der wird nicht wandeln in der Finsternis,
sondern wird das Licht des Lebens haben.” (Joh 8,12)


Dieser Bibelspruch ist mein Konfirmationsspruch. Wir hörten ihn wieder zusammen mit dem Konfirmationsspruch meiner Frau, als Trauspruch auf unserer Hochzeit, Silberhochzeit und Goldenen Hochzeit und, so der Herrgott es noch zulässt, im nächsten Jahr auch auf unserer Diamantenen Hochzeit.

Wenn ich an den Bau des Bugenhagenhauses denke, dann erinnere ich mich daran, dass in den 50er Jahren sich der Wunsch in der Wingst mehrte, ein eigenes, christliches Zentrum zu haben. In einer Versammlung wurde beschlossen, eine Kirche in Ellerbruch zu bauen. Hierzu wurden Spenden aus der Bevölkerung erbeten. Die Arbeiten sollten nur von ortsansässigen Handwerkern ausgeführt werden. So gab ich als Spende 10 % von meiner Auftragssumme.

Aus mir unbekannten Gründen wurde dann der Bau in Westerhamm beschlossen. Wieder gab es hierzu Spendenlisten. Die Arbeiten waren vergeben. Daher schrieb ich auf meinen Spendenzettel sinngemäß: „Ich stehe zu meinem Wort, das ich zum Kirchenbau in Ellerbruch gab, tut der Kirchenvorstand das auch?” Herr Pastor Winzen kam bei mir in die Werkstatt und forderte in einem forschen Ton von mir eine Begründung meines Schreibens. Meine Antwort war, dass ich nicht einmal zur Abgabe eines Kostenanschlags aufgefordert wurde ... Nun wurde Herr Winzen kleinlaut und versprach mir, einen Kostenanschlag für die Inneneinrichtung abgeben zu dürfen. Ich erhielt den Auftrag 110 Stühle, einen Altar auf Estrade, ein Rednerpult und einen Bilderrahmen zu liefern. Für die Stühle, 121 Stück, hatte ich eine Lieferfirma im Teutoburger Wald. Alles andere wurde in meiner Werkstatt von mir gefertigt. Die Einweihung rückte näher, und die Stuhlfirma gab mir die Zusicherung, rechtzeitig zu liefern.

Sichtlich nervös, habe ich am Freitag vor der Einweihung bei der Lieferfirma angerufen und bekam zur Antwort: „Stühle per Bahn-Eilgut und Nachnahme unterwegs.” Vom Kirchenbüro erhielt ich einen Vorschuss in bar. Als kleiner Handwerker war ich nicht in der Lage ein paar Tausender auf den Tisch zu legen. Am Sonnabend, mittags kam die erlösende Nachricht vom Bahnhof Cadenberge: Stühle können abgeholt werden. Mein Schwiegervater fuhr mit Trecker und Milchkannenanhänger (extra lang) mit mir zum Bahnhof. Zu unserer Enttäuschung waren nur 4 Küchenstühle da, aber kein Eilgut mit 121 Stühlen. Nun hieß es handeln. Die Gastwirte Butt und Grantz stellten mir die erforderliche Menge Stühle zur Verfügung. Am Samstagabend kam Herr Sup. Jantzen und sah, dass alles bereit war. Es war 18.00 Uhr, und Herr Jantzen hat persönlich die Betglocke geschlagen.

Die gut besuchte Einweihung fand statt.

Am Montag kam vom Bahnhof die Nachricht: „Eilgut mit Personenzug angeliefert!” Man hatte mir am Sonnabend seitens des Bahnpersonals versprochen, sich um den Verbleib des Waggons zu kümmern. Der Waggon soll angeblich zwei Tage auf einem Verschiebebahnhof gestanden haben. So haben mein Schwiegervater und ich zunächst das Leihgut zu Butt und Grantz und dann die neuen Stühle an ihren Platz gebracht, wo sie noch heute ihren Dienst verrichten.


Walter Adami