Alexander Natterer 



Für diese Ausgabe des Gemeindebriefes haben wir einen Mitarbeiter aus dem ProChrist-Team um sein „liebstes Bibelwort” gebeten. Alexander Natterer wohnt in der Wingst, ist verheiratet und hat vier Kinder. Als Prädikant hat Alexander Natterer die Befähigung, Predigten und Gottesdienst selbständig zu halten.

„Seit Anfang der 70er Jahre begleiten mich diese Sätze aus dem Buch Rut 1, 16b und bestimmten auch meinen Werdegang vom katholischen Christen zum Prädikanten der ev.-luth. Landeskirche.

Wohin du gehst, da will ich auch hin gehen,
und wo du bleibst, da will ich auch bleiben.
Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

Ja, ich durfte mit Gott gehen, und eigentlich spürte ich diese Worte umgekehrt: Wohin ich ging, war mein Gott, wo ich blieb war mein Gott und in seinem Reich darf ich Mitarbeiter sein. Erneut habe ich mich nochmals mit diesen Worten auseinandergesetzt und festgestellt: Das sind auch Sätze, die die Tiefe unserer ProChrist-Woche zusammenfassen.

In den vorangehenden Versen ist viel von Umkehr die Rede. Zuerst die Umkehr von Moab in das Land Juda zum Gott der Väter und dann bietet Noomi ihren Schwiegertöchtern die Entscheidung: den Weg der Vernunft ins Heidenland oder den Weg der Treue, der Entscheidung für Gott nach den Regeln der Liebe.
Orpas ging zurück ins Land ihrer Mutter, aber Rut entschied sich für Jahwe, den Gott Israels. Ruts Hinwendung zu Gott lenkt sofort auch unseren Blick auf die Gemeinde des Neuen Bundes, also auf unsere Hinwendung zu Gott.

ProChrist hat an acht Abenden eingeladen diesen Schritt zu vollziehen. Dabei war klar, dass Umkehr zugleich auch Abkehr voraussetzt. Die Hinwendung Ruts zu Gott bedeutete auch eine Abkehr von ihrem eigenen Volk und ihrem bisherigen Glauben. Wie die Heidin Rut sich von den Götzen ihrer Familie und Heimat abwendet und sich für Jahwe entschied, so setzt auch heute noch die Hinwendung zu Gott die Abwendung von den vorherigen Gottesvorstellungen und Götzen voraus. Es ist ein Eintritt in die Familie des lebendigen Gottes, ein völliger Übertritt in die Herrschaft des Reich Gottes.

Umkehr zu Gott bedeutet zugleich Treue und Loyalität gegenüber Gott. Immer wieder wird dies im Alten Testament vom Volk Gottes gefordert. Ruts Entschluss, mit Noomi nach Juda zu gehen war sicher im Grundmotiv die Treue zur Schwiegermutter, doch die grundsätzliche Entscheidung für Jahwe. Durch die ganze Bibel hindurch wird deutlich, dass unsere Beziehung zu Gott nicht getrennt werden darf von der Beziehung zu unserem Nächsten. Jesus sieht es als das Höchste des Gesetzes an, Gott von ganzem Herzen zu lieben, von ganzer Seele und mit all unseren Gefühlen an Wärme und Zuneigung. Und diesem aber folgt sofort die Liebe zu den Menschen, unsere Treue und Zuverlässigkeit.

ProChrist hat uns wieder vor Augen gestellt, dass unser Leben in Gott und unsere Entscheidung für Christus mit seiner Treue und Liebe gesegnet ist, so wie die Geschichte Ruts gesegnet wird mit einem Kind als Vorfahre des Königs David.”

Alexander Natterer